Donnerstag, 21. August 2014

The Drums: Kleine Taschenlampe brenn...

Schritt für Schritt der Vollkommenheit ein Stück näher: Auch wenn wir noch nicht wissen, ob es ein vollkommen misslungenes oder vollkommen geniales Album geworden ist, was The Drums da am 26. September veröffentlichen - ein weiterer Song, das besser zu beurteilen, kann ja nicht schaden. Und so kommt "I Can't Pretend" mit wunderbarem Taschenlampencover gerade recht.

Chicks On Speed: Kongenialartstravaganter Punch

Wenn sich die Promotexte zu einer neuen Platte wie eine Mischung aus politischer Kampfschrift und Kunstpamphlet lesen, dann ist Obacht angesagt: Die Chicks On Speed oder besser das multinationale, interdisziplinäre und maximal vernetzte Münchner Projekt von Melissa Logan und Alex Murray-Leslie plant am 3. Oktober die Veröffentlichung einer neuen Platte mit dem hübschen Titel "Artstravaganza", auf der Liste der Kollaborateure stehen diesmal Flüstertüte Julian Assange, Yoko Ono, Francesca von Habsburg, Künstler und Kurator Peter Weibel, Angie Seah und Anat Ben David. Die erste Single "Utopia" ist bereits Anfang Juli erschienen, Liveauftritte wie folgt.

10.10.  Bern, Dampfzentrale
06.12.. Berlin, 401contemporary
12.12.  Karlsruhe, ZKM

The War On Drugs: Schönheit in Überlänge

Das Stück hat Überlänge und gehört zweifellos zum Besten, was das aktuelle Album von The War On Drugs zu bieten hat: Im März kam "Lost In The Dream" heraus, nun reicht Adam Granduciel ein stimmungsvolles Video zu besagtem "Under Pressure" nach - anschauen kann man sich das bei Vevo.

Mittwoch, 20. August 2014

Thurston Moore: Ganz der alte

Wandlungsfähig ist er ja: Im vergangenen Jahr die Neugründung von Chelsea Light Moving, in diesem wiederholt Ausflüge in Richtung Metal - man kann Thurston Moore kaum vorwerfen, er ließe es nach der Trennung von Langzeitpartnerin Kim Gordon gemütlich angehen. Um das zu unterstreichen, kommt nun die Ankündigung seines vierten Soloalbums um die Ecke - nach "Demolished Thoughts" (2011) also Mitte Oktober "The Best Day". Mit dabei auch Steve Shelley von Sonic Youth und Debbie Googe von My Blood Valentine - das Titelstück darf man sich auch schon mal anhören - fast schon old school.


J Mascis: Aus der Zwischenwelt

J Mascis
„Tied To A Star“

(Sub Pop)

Es soll ja Leute geben, die selbst bei dieser Musik noch das Erbsenzählen anfangen – man kann das, wenn es denn sein muss, ziemlich schnell erledigen: Knappe zweiundvierzig Minuten, verteilt auf zehn Songs, hat J Mascis auf seinem zweiten Soloalbum untergebracht und für vier Stücke (weil es das ist, was der altgediente Fan des Gniedelgottes ja unbedingt wissen möchte) packt er die Elektrische aus. Wirklich wichtig ist das nicht. Mascis zählt unter den Indie-Größen seit nunmehr drei Jahrzehnten zu den unverwüstlichsten und verlässlichsten, in schöner Unregelmäßigkeit taucht, ob nun von Dinosaur jr oder ihm allein eine von diesen mit wunderlichen Covermotiven bestückten Platten auf, kurz nur meldet er sich zu Wort, um dann– so stellt man sich das zumindest vor – wieder in die von ihm selbst erschaffene Zwischenwelt aus freundlichen Kobolden und kauzigen Trollen zu verschwinden.

Wobei die Wortmeldungen im Laufe der Zeiten immer etwas zarter geworden sind. „Tied To A Star“ ist, man traut sich kaum, es niederzuschreiben, fast schon eine Art Folkalbum geworden. Sieht man von den besagten Ausnahmen einmal ab, bei denen er kurz einstöpselt, beschränkt sich der Mann zunehmend auf seinen markanten Wispergesang und akkustische, zurückhaltende Instrumentierung – Piano, Streicher, richtig erschrecken muss hier keiner mehr. Irgendwie hat man auch den Eindruck, den einen oder anderen Titel hätte er doch schon früher schon im Repertoire gehabt und stößt bei der Recherche zumindest auf zum Verwechseln Ähnliches („Come On Down“, „Come With Me“, „Not You Again“ (!) und „Pierce The Morning Rain“). Nerdwissen, schon klar.

Die Songs hier klingen also gewohnt verschwurbelt, zusammen mit Pall Jenkins (Black Heart Procession) und Mark Mulcahy (Miracle Legion) musiziert Mascis mehr leise als laut, wenn er sich dann wie beim Abschlußstück „Better Plane“ aber doch zu ‚laut‘ entschließt, dann wird gejammt und gequengelt, dass sich die graue Mähne in den malträtierten Saiten zu verfangen droht. Dass für „Wide Awake“ Kollegin Chan Marshall aka. Cat Power dazugebeten worden ist, muss man schon vorher wissen, dem Song selber ist es – etwas schade – leider kaum anzuhören. Übelnehmen wird dem Zausel das niemand, er ist sich selbst und uns genug und weil die Chance, dass er seine Anhängerschaft mit allzugroßen Veränderungen zu verprellen droht, gegen Null geht, kann man das auf einstmalige Treueversprechen nur ein weiteres Mal bekräftigen. http://www.jmascis.com/

Der Komplettstream des Albums steht zur Zeit bei NPR bereit.

Dienstag, 19. August 2014

Haim: The real life

Promialarm bei Dallas Murphy, ähem - Haim: Die drei Mädels haben sich für das Video zum Remix ihres Songs "My Song 5" von A$AP Ferg eine ganze Menge an Celebrities in eine nachmittägliche Trash-Show eingeladen, neben ihnen selbst gehören auch Ke$ha, A$AP Ferg selbst, Ezra Koenig von Vampire Weekend, Grimes, Big Sean, Produzent Ariel Rechtshaid und die Eltern des Geschwistertrios zum Staff. Sehen kann man die amerikanische Version von Vera am Mittag u.a. bei Dailymotion.

Leonard Cohen: Geburtstagsgeschenk

Das ist mal ein Geburtstagsgeschenk, von dem wirklich alle was haben: Leonard Cohen wird am 21. September dieses Jahres glatte achtzig (in Zahlen: 80!) und hat sich gedacht, das könnte er doch mit einem neuen Album feiern. Gute Idee. Nach dem wirklich wundervollen "Old Ideas" wird der Nachfolger "Popular Problems" hier in Deutschland wohl am 19. September erscheinen, also zwei Tage vor der Sause und natürlich gibt es schon einen ersten Song, den man sich anhören kann - "Almost Like The Blues" steht als Stream u.a. bei cbc.music.

Kele Okereke: Digital passt besser

Na wenn das mal nicht groovt: Komplett der Tanzmusik verfallen, so präsentiert sich Kele Okereke auf der ersten Single seines kürzlich angekündigten, zweiten Soloalbums "Trick". "Doubt" pumpt in bester House-Manier und wer irgendwie noch Analoges erwartet hatte, war wohl komplett auf dem Holzweg. Schlecht muss das, wie man hören kann, nicht sein.

The Twilight Sad: Unentschlossen

Mit großer Traurigkeit dick im Geschäft, das sind nicht nur I Like Trains, sondern auch die Schotten von The Twilight Sad. Ihr letztes Album "No One Can Ever Know" datiert auf den Februar 2012, nun haben sie ein neues angemeldet. "Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave" lautet dessen etwas unentschlossener Titel und die erste Hörprobe "There's A Girl In The Corner" trübseelt schon mal wunderbar vor sich hin.

Montag, 18. August 2014

Death From Above 1979: Leiser wird's nicht

Das freut die Fuzzheads: Death From Above 1979, mit ihrem neuen Album "The Physical World" für den 5. September gemeldet, haben mit "Government Trash" einen weiteren Titel ins Schaufenster gestellt - es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass auch dieser (nach "Trainwreck 1979") ordentlich an den Knochen schüttelt.

Interpol: Vorbei mit der Ruhe

Lang ist es ja nicht mehr hin bis zum sehnsüchtig erwarteten, fünften Album "El Pintor" von Interpol und nachdem die ersten drei Stücke live aufgeführt waren und für "All The Rage Back Home" ein paar Bewegtbilder nachgereicht wurden, war es kurzzeitig wieder still. Das ändert sich nun, denn mit "Ancient Ways" darf man ein weiteres Mal vorhören - Anfang September kommt dann sicher der Rest.

Caribou: Einzelstück

Ein Album, das in den kommenden Wochen sicher noch Erwähnung finden wird (und zwar reichlich) - auch diesem Einzelstück dürfte es nicht viel anders gehen: Caribou hat für Anfang Oktober sein neues Album "Our Love" angekündigt und mit "Can't Do Without You" schon mal den ersten Track geleakt. Dem folgt nun also der Titelsong der Platte.

Sonntag, 17. August 2014

Darkside: Zu Ende, vorerst

Da bekommt man erst mal einen mächtigen Schreck, wenn man den Tweet von Nicolas Jaar und Dave Harrington alias Darkside liest: "darkside is coming to an end, for now". Kurz noch mal rauf auf die Bühne (12.09., Brooklyn/New York) und dann weg - für's erste jedenfalls. Will man hoffen, denn die Platte der beiden war im vergangnenen Jahr zweifellos eine der besten, viel zu gut, um es dabei bewenden zu lassen. Zwei Stücke legen Darkside aber noch nach, beide (Gone Too Soon/What They Say) so fein, dass sie den zwischenzeitlichen Abschied sicher etwas versüßen können.

Freitag, 15. August 2014

My Brightest Diamond: Liebe tötet

Einen neuen wunderbaren Song gibt es seit heute von My Brightest Diamond zu hören - nach "Pressure" ist das zauberhafte "Lover/Killer" der zweite Song vom herbeigesehnten Album "This Is My Hand", das am 12. September veröffentlicht wird - pumpende Bläser, zarter Gesang, großartig.

Clueso: Nachsommer

Das hatten wir zwar schon in der Lyrics-Version, kommt mit richtigen Bildern aber noch besser: Clueso wird bekanntlich Mitte September sein neues Album "Stadtrandlichter" veröffentlichen, die Live-Daten stehen schon seit längerem (und sind höchstwahrscheinlich auch schon ausverkauft) - zur ersten Single "Freidrehen" gibt's jetzt also auch ein passendes Video - bittesehr, eine Extraportion Nachsommerstimmung...

Donnerstag, 14. August 2014

Benjamin Booker: Schwarze Seele, weiße Wut

Benjamin Booker
„Benjamin Booker“

(Rough Trade)

Nun hat er es also geschafft. Mit ganzen zweiundzwanzig Jahren ist Benjamin Booker am Ziel seiner Träume angelangt. Er würde das so nie formulieren, aber klar ist doch eines: Seit er nach Eingabe seines Namens bei Google nicht mehr den muskelbepackten Körper des Bodybilders Ben Booker zu sehen bekommt, sondern ausschließlich sein eigenes Gesicht, seitdem ist der Durchbruch endgültig gelungen. Natürlich ist das nur eine nette, kleine Randgeschichte über den Jungen aus Tampa/Florida, dessen Werdegang in den letzten zwei Jahren eine so rasante Beschleunigung erfahren hat, dass einem schon beim Lesen schwindelig wird. Im Dezember 2012 nämlich stand Benjamin in seiner Heimatstadt erstmals live vor einem Publikum auf der Bühne, einige Zeit später tat er das wieder, jetzt allerdings als Support für keinen Geringeren als Jack White. Andrija Tokic, der auch schon mit den Alabama Shakes arbeitete, nahm ihn unter seine Fittiche und produzierte mit Booker die vorliegende Platte – stilecht in einem Studio in Nashville, es folgten Auftritte bei Letterman und auf dem Lollapalooza-Festival, was man halt so liest, wenn man sich mit dem Musiker beschäftigt.

Man liest auch, dass Booker wahlweise mit Größen wie Howlin‘ Wolf und Chuck Berry verglichen wird, dass man seine Energie, sein Talent und den Furor an der Gitarre mit dem jungen Keziah Jones vergleichen könne, es scheint nur eine Frage der Zeit, wann der Name Hendrix auf dem Tableau erscheint. Ob man dem Debütanten damit einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten, fest steht, dass er auf unglaublich clevere Art den schwarzen Höllenblues mit dem weißen Garagepunk zu vermischen versteht, dass wirklich jeder der zwölf Songs seines Erstlings mit einer brachialen und elektrisierenden Energie daherkommt, die man so lange nicht gehört hat. Zusammen mit Schlagzeuger Max Norton und dem Bassisten Alex Spoto haut er dem Zuhörer eine knappe Dreiviertelstunde ein wahres Feuerwerk um die Ohren – die rauchige Stimme, die man auf das doppelte Alter und die dreifache Erfahrung schätzen möchte, begleitet den erdigen Twang, die jammernde Wurlitzer, den mächtigen Stomp.

Das ist Rock’n Roll, wie er klingen muss und wie ihn die Kings Of Leon zu Beginn ihrer Karriere mal zu spielen wussten – cool, rough und weird (für den Fall, dass einem die deutschen Vokabeln ausgehen). Wahrlich kein Wunder, dass Jack White daran Gefallen gefunden hat, denn was da in Stücken wie „Have You Seen My Son“, „Slow Coming“ oder „Kids Never Grow Older“ über einen hereinbricht, dürfte er noch aus den Zeiten kennen, als er sich an der Seite von Meg in stickigen Vorstadtclubs die Seele aus dem Leib geschrien hat. Schön zu lesen, dass sich Booker offensichtlich seine jugendliche Unbekümmertheit bewahrt hat, die meisten seiner Antworten in Interviews – und von denen muss er momentan ziemlich viele führen – beginnen mit „Oh, yeah!“ und „Oh, man!“, wie es scheint hat er noch gar nicht so recht begriffen, welches Tempo er da vorgelegt hat und was der ganze Zirkus um ihn herum bedeutet. Bleibt zu hoffen, dass das noch eine Weile anhält – jugendliche Stars, die ihr gelangweiltes Gesicht in die Kameras halten, gibt es schließlich schon zur Genüge…

Den Komplettstream des Albums gibt es momentan bei NPR.

Annie Lennox: Noch nicht genug

Erst Marianne Faithfull, nun die nächste große Dame: Annie Lennox wird in diesem Jahr noch ihren sechzigsten Geburtstag feiern, die Zeiten mit den Eurythmics liegen lange zurück und doch mag sie von der Musik nicht lassen. Die Künstlerin, die sich seit längerem nachdrücklich für Frauenrechte und die Unterstützung HIV-positiver Menschen stark macht, wird laut Billboard-Magazine Mitte Oktober bei Blue Note nach "Medusa" (1995) ein weiteres Cover-Album herausbringen, diesmal gefüllt mit Stücken aus den Dreißiger und Vierziger Jahren. Mit dabei unter anderem George Gershwins "Summertime", "I Put A Spell On You" von Screamin' Jay Hawkins und "Mood Indigo" von Duke Ellington. Das genaue Tracklisting gibt es hier, das nachfolgende Cover stammt aus dem Jahr 2013, mit Orchesterbegleitung singt Lennox "No More 'I Love You's'" von The Lover Speaks (1986).

Deptford Goth: Mit Bedacht

Das hat nun wirklich noch Zeit - aber man kann ja schon mal behutsam vorankündigen: Daniel Woolhouse, englischer Produzent und Musiker, hat mit "Life After Defo" schon im Frühjahr letzten Jahres ein Achtungszeichen setzen können. Deptford Goth, so sein Künstlername, wird auch 2014 noch einmal in Erscheinung treten, Anfang November soll "Songs", sein nächster Streich, erscheinen und das bedächtige Synthiestück "The Lovers" kann schon mal als Versprechen verstanden wissen.

Blonde Redhead: Wahre Liebe

Eine weitere Hörprobe gibt es auch vom Ende August erscheinenden Album "Barragán" des New Yorker Trios Blonde Redhead, die bezaubernde Kazu Makino intoniert hier "The One I Love" und wer mag, darf sich den Song auch gleich mit nach Hause nehmen (meint: laden).

Alt-J: Alles außer gewöhnlich

Es ist wie es ist wie es ist ... Alt-J können wohl gar keine einfachen Songs machen. Einfach meint hier so verse-bridge-verse-chorus-Dinger. Und das ist auch gut. Nun ist also der dritte Songs aus dem anstehenden Album "This Is All Yours", das in einem Monat erscheint, geleakt und klingt so ungewöhnlich wie auch "Hunger of the Pine" und "Left Hand Free".