Dienstag, 16. September 2014

Einstürzende Neubauten: Ergänzungen

Ein paar kleine Ergänzungen zum neuen Album "Lament" der Einstürzenden Neubauten wollen wir nicht vorenthalten: Das Artwork für's Cover steht mittlerweile fest - und auf der Liste der Konzerttermine ist ein neuer für Hannover hinzugekommen. Erwähnt werden sollte auch, dass neben all den üblichen Eigenwilligkeiten bei der Instrumentierung auch noch die Musik der sogenannten "Harlem Hell Fighters", der ersten afroamerikanischen Kampfttruppe des 1. Weltkrieges (um den es ja hauptsächlich geht) eine Wiederveröffentlichung erfahren wird. Erscheinungstermin der Platte ist im Übrigen der 7. November via Mute/BMG.

09.11.  Aachen-Stolberg, Zinkhütter Hof,
10.11.  Hannover, Capitol
11.11.  Berlin, Tempodrom
13.11.  Lausanne, Les Docks
16.11.  München, Muffathalle

Fiva: Mehr als 1560 Worte

Fiva
Support: Average
Ampere, München, 15. September 2014

Gerade erst durfte man lesen, dass Eminem sich mit einem seiner Songs ins Guinness-Buch gerappt hat – 1560 Worte füllen den Track und natürlich hört sich das beeindruckend an. Nina Sonnenberg alias Fiva MC würde, spräche man sie darauf an, diese Meldung wahrscheinlich auf ihre eigene Art charmant weglächeln, sie weiß, dass Quantität und Geschwindigkeit nur mäßig Auskunft geben können über die Güte der Rhymes und dass der Inhalt – Binsenweisheit sowieso – den Sinn und somit die Qualität vorgeben. Von letzterer hat sie nicht zu knapp, im Juni ist ihr neues Album „Alles leuchtet“ erschienen und auch auf diesem zeigt die Münchnerin wieder ihr seltenes Talent, klare Ansagen zu sanftem Wordflow zu verbinden, laut zu sein, ohne sich in leeren Posen zu erschöpfen, Mädchen mit Herz und Kopf also, immer noch.

Sie hatte ihrer Band, so verriet sie, einen wunderbaren Abend angekündigt und es zeigte sich schnell, dass sie sich für dieses Versprechen nicht weit aus dem Fenster lehnen musste – Heimspiel nennt man das und auch wenn sie angeblich von allen Anwesenden den meisten Bammel vor dem Auftritt in der Geburtsstadt hatte – viel zu spüren war davon nicht. Wozu auch, mit einem perfekt harmonierenden DJ Radrum an den Turntables, den abgefunkten Jungs aus Wien im Rücken und einem Publikum, dass ihr für zwei Stunden förmlich an den Lippen hing, brauchte ihr nicht bange sein. Zumal sie ja auf der Setlist reichlich Material hat, um sich die Zeit mit ihren Lieblingsbeschäftigungen zu vertreiben: Singen, Klatschen, Tanzen, solche Sachen eben. „Zu alt um cool zu sein“, den Augenblick genießen, vielleicht auch einen Sommer (wie es in einem ihrer Stücke heißt) – das ging genau an diesem Abend und zwar von Start bis Ende.

„Goldfisch“, „Frühling“, „Kleinkunst“, „Leuchtturm“, viel Bewegung, da kann selbst der verirrte Anzugträger nicht anders, als verschämt die Arme zu schwenken. Nicht alles München-Lieder, aber schnell zu solchen gemacht – denn klar: „Die Stadt gehört wieder (einmal) mir!“ Bei so viel beschwingtem Frohsinn wird es natürlich schwierig, auch mal auf ernst herunterzukühlen, es gelingt ihr dennoch. „Du bist nicht mein Monster“ klingt live noch grimmiger als von der Konserve und bei „Phoenix“, dem wohl besten Song der aktuellen Platte, erwischt einen kurz ein kühles Schaudern, auch das gehört mit zum Programm. Man kann mit ihr, soviel ist klar, allerbestens ausflippen, bekommt das aber nicht umsonst, sondern darf sich dazu gern noch ein paar Gedanken mehr machen oder zur weiteren Verwendung mit auf den Heimweg nehmen.

Auch wenn Bernadette La Hengst und Peter Brugger nur vom Band grüßen - Komplimente gibt es reichlich und zwar von beiden Seiten. Szenenapplaus für ein Solo am Jazzpiano, lockeren Freestyle als Kaufstimulanz und jede Menge glückselige Momente auf und vor der Bühne. Kurz nur glaubt man zu bemerken, wie Fivas sonst so feste Stimme vor lauter Rührung wegzukippen droht, warum auch nicht, solche Abende daheim sind schließlich wie gemacht für’s Familienalbum und da darf man auch schon mal etwas sentimental werden. Der launige Hinweis des Bassisten, man solle doch endlich diese depperten Luftballons wegtun, wird mit breitem Grinsen quittiert – es bleibt also dabei: Nicht wieviel, sondern was man sagt, entscheidet. Und wer noch Trost braucht, summt draußen einfach weiter: „Das Beste ist noch nicht vorbei…“

Montag, 15. September 2014

Pixies: Trödelmarkt

Zwischendrin mal wieder ein Video der Pixies - "Ring The Bell" stammt vom immer noch aktuellen Album "Indie Cindy", wurde von Lital Mizel und Adi Frimmerma gedreht und kann exklusiv beim NME bestaunt werden.

Sonntag, 14. September 2014

Kraftklub: Immer noch anders

Kraftklub
„In Schwarz“
(Universal)

Alles halb so schlimm das Ganze. Aber der Gag war es wert. Nach dem vermummten Krawalleinstieg mit „Hand in Hand“ kamen Kraftklub mit „Unsere Fans“ gewohnt schnell auf den Punkt, und zwar auf einen wunden. Sie drehten den Spieß einfach um und machten ihren Fans den Vorwurf, mit dem sich sonst die andere Seite herumschlagen muss: Ideale verraten, käuflich geworden, harmlos, lahm und ohne Biss. Schon Zeit also, sich loszusagen? Schon eine Beziehungskrise? Kannste getrost vergessen. Kraftklub sind wahrscheinlich wie ihr Anhang einfach nur zwei Jahre älter und um ein paar Erfahrungen reicher, ansonsten hat sich weder etwas zum Besseren oder Schlechteren geändert. Der Sound bleibt einfach bis eintönig und hält sich noch immer nicht für so wahnsinnig wichtig – viel wichtiger sind vielmehr ihre Pointen und die setzen die Schnodderschnauzen aus Chemnitz, der „Stadt die immer schläft“, noch mit der gleichen grimmigen Ernsthaftigkeit wie schon auf dem Debüt.

Schimpfen, wüten und ein paar Dinge klarstellen – die selbsternannte Lieblingsband (der Liebslingsband) setzt auf Bewährtes, weil vieles noch nicht, wie man so gern sagt, zu Ende erzählt ist. Das meint nicht gerade den einen oder anderen kleinen Diss, hier in Richtung Frida Gold („Alles wegen dir“) oder Cro („Deine Gang“), sondern eher ein deutliches Statement (denn eine klare Haltung kann niemals schaden) in Sachen Neue Rechte und Duckmäusertum („Schüsse in die Luft“), Gentrifizierungsspießer („Meine Stadt ist lau“) und rosabebrillte Konsensprediger („Schöner Tag“). Felix Brummer hat es immer noch nicht so mit dem Singen und schreit seinen Unmut lieber laut hinaus und irgendwie muss da auch ihr Geheimnis liegen, dass sie nach Rammstein und Marteria zum dritten ernstzunehmenden Schwergewicht des jungen und angenehm unangepassten Ostens macht.

Die sperrige, rotzige Ehrlichkeit der fünf hat immerhin dafür gesorgt, dass der Anti-Berlin wieder eine Hymne hat, dass man mit der oft so missliebig beäugten Zone nicht nur ulkige Randfichten und unbelehrbare Hinterwäldler verbindet, sondern eben auch Coolness und – oh Wunder – eine eigene, vertretbare Meinung. Die Klubtour war in nullkommanix ausverkauft, Hype auf sächsisch also (wie so schön ungläubig im Proberaumskit zu hören), dem jungen Teil des Landes, so er nicht atemlos durch die Nacht rennt, kann das nur guttun, den alten wird es nicht weiter kratzen. Erwähnt sei noch, dass auch die Liebe (auch die enttäuschte) auf dem neuen Album nicht zu kurz kommt, auch wenn es zu einem neuerlichen Knaller wie “Kein Liebeslied“ diesmal nicht gereicht hat. Aber manchmal reicht, wie man hört, auch ein olles Fahrrad, um seinen Gefühlen Auslauf zu geben. Es bleibt dabei – sie sind nicht wie die anderen Jungs, besser ist das. www.kraftklub.to

Samstag, 13. September 2014

Deaths: Erster Auszug

Neuvorstellungen, nächster Teil: Wieder Electronics, diesmal von einem Projekt aus Berlin. Deaths, so der hoffnungsfrohe Name, wollen bis Ende des Jahres eine komplette Platte mit dem Titel "Chapter One: Blame me" fertigstellen - einen ersten Song davon geben sie hier gegen Angabe einer gültigen Mailadresse schon mal zum Download frei. Zum sehr soften Klang von "Lonewolves" werden Namen wie Active Child, Darkside, SOHN, Hurts oder Deptford Goth in die Runde geworfen - stimmen irgendwie alle, mal schauen, vielleicht wird ja am Ende auch was ganz Eigenes daraus...

Jack White: He's got the look

Hey - neuer Look? Jack White trägt im Video zu "Whould You Fight For My Love?" vom Album "Lazaretto" doch tatsächlich einen trendigen Kurzhaarschnitt mitsamt Koteletten, das hat er gut hinbekommen. Die Stimmung ist natürlich, dem Songthema entsprechend, trotzdem etwas miesepetrig, den Clip gibt es via Dailymotion bei Vevo.

Freitag, 12. September 2014

Pale. Frühes Comeback

Mit Neueinsteigern war's ja in den letzten Tagen nicht so dicke, das soll sich jetzt ändern: Den Anfang macht das Londoner Duo Pale. (mit Punkt), im vergangenen Jahr mit dem Stück (plus Video) "Fearing Faces" im Gespräch. Nun legen die beiden Jungs eine neue EP mit dem etwas irreführenden Namen "Comeback" vor, die man sich bei Soundcloud sogar kostenlos herunterladen kann - klingen tut das Ganze ordentlich entspannt und natürlich ganz nach dem derzeit angesagten RnB. Der Dank für die Quelle geht im Übrigen an Turntablekitchen.

BANKS: Raumaufteilung

BANKS
„Goddess“

(Capitol/Universal)

Ganz geheimnisvolle Sache: Von BANKS war lange Zeit nicht einmal der Vorname zu bekommen (Jillian, das wissen wir jetzt), vereinzelte Songs auf den bekannten Portalen und gezieltes Namedropping von den richtigen und schon etwas bekannteren Leuten haben gereicht, sie zum „next big thing“ eines Genres auszurufen, das wie kein anderes in den letzten Jahren einem endlos ergiebigen Talenteschuppen gleicht: R’n’B. Sie tourte mit Abel Tesfaye aka. The Weeknd und Christopher Taylor, Londoner Musiker und bekannter unter dem Pseudonym SOHN, gehört zu ihren größten Protegés – viel mehr an Startkapital braucht es nicht, um nun endlich den EP’s einen ersten eigenen Longplayer folgen zu lassen. Und „Goddess“ enttäuscht nicht. Für die knapp sechzig Minuten kreiert die feingliedrige Kalifornierin einen vielschichtigen, druckvollen Synthesizersound, der zwar selten tanzbar ist, aber mit Abwechslung nicht spart.

BANKS beginnt mit ihren Songs an dem Punkt, bis zu welchem sich eine Beyoncé Knowles im äußersten vorwagt, wenn sie sich mal zu Ungewohnterem entschlossen hat, es also dunkler, schwerer klingen soll – und sie spielt sie bis zu der Kante, über welche von der anderen Seite wiederum FKA Twigs gelegentlich lugt, wenn sie nicht so widerspenstig gestimmt ist. Satte Downtempobeats, der Gesang wechselt zwischen soulig („This Is What It Feels Like“), gefühlvoll („Waiting Game”) und kräftiger Dramatik (“You Should Know Where I’m Coming From”) und befremdet nur dann, wenn er – wie im letzten Stück „Under the Table“ – ins Rockröhrige zu kippen droht.

Dabei sind Komplexität und Düsternis für die Wirkung der Stücke nicht einmal so entscheidend – es gelingen ihr durchaus auch reduzierte, leichtere Momente. „Someone New“ beschränkt sich fast ausschließlich auf die akustische Gitarre, „Warm Water“ erscheint einem tatsächlich so anschmiegsam wie warmes Wasser und auch „Stick“ und „Brain“ lassen kurz innehalten zwischen all den gewaltig aufgetürmten Bit- und Bytegebirgen. Es ist trotzdem kein Wunder, dass BANKS gerade Lauryn Hill und Fiona Apple zu zwei ihrer größten Vorbilder ausruft, Künstlerinnen also, die nicht gerade mit übertriebenem Frohsinn auffällig geworden sind. Sie selbst verarbeitet heute noch, wie sie sagt, die Trennung der Eltern in ihren Stücken: “That age was the first time that I needed something so bad like that. It’s kind of like falling in love for the first time – being really, really dark for the first time.” Wie und warum auch immer – sie tut das auch heute noch so überzeugend, dass man ihr gern dabei zuhören möchte. www.hernameisbanks.com

Donnerstag, 11. September 2014

Anna Calvi: Doppelt glücklich

Das ist entweder eine WinWin oder nur eine Win-Situation, abhängig davon, ob Morrissey seine Deutschlandkonzerte im Herbst tatsächlich spielen wird: Als Support ist nämlich für Berlin (23.11.) und Essen (24.11.) die wunderbare und gerade erst für den Mercury-Prize nominierte Anna Calvi vorgesehen. Verlieren kann man also gar nicht, im besten Falle gibt es Anlass zu doppelter Freude.

Arca: Heraus mit Talent

Was da so metallen und geheimnisvoll aus den Boxen wummert, stammt von dem jungen venezolanischen Künstler Alejamdro Ghersi, bekannter unter seinem Künstlernamen Arca. Nach einer Reihe von EPs hat der junge Mann sein beachtliches Talent sowohl für FKA Twigs' "EP1" und Kanye West' "Yeezus" beigesteuert - für sein erstes Album mit dem Titel "Xen" hat er nun bei Mute Records unterschrieben und wird dieses dort Ende September veröffentlichen - besagtes "Thievery" ist einer von fünfzehn Tracks davon.

SBTRKT: Nimm zwei

Über das neue Album von Elektroniker SBTRKT haben wir hier ja schon berichtet - Anfang Oktober soll "Wonder Where We Land" erscheinen. Auf der Gästeliste standen ja auch da schon Emily Kokal von Warpaint und ASAP Ferg, beide Tracks kann man sich nun vorab anhören.

Mittwoch, 10. September 2014

Cold Specks vs. Nick Cave: Zwangsläufig

Irgendwie hätte man auch selber drauf kommen können: Cold Specks und Nick Cave liegen sich musikalisch so nahe, dass ein Cover fast die logische Folge sein muss. So nimmt sich also die Kanadierin einen Song des Australiers - und zwar "We Know Who U R" vom wunderbaren Album "Push The Sky Away" und singt ihn selbst, anhören läßt sich das exklusiv bei Clash.

Bye bye, Clickwheel!

Die zweite schlechte Nachricht des gestrigen Tages kam im Übrigen auch aus Cupertino: Nach dem neuen Album von U2 sickerte recht schnell durch, dass Apple nicht daran denkt, seinen iPod Classic im Produkt-Portfolio zu behalten. Problemlose bespielbare Musikbox für überall und unterwegs adé, bye bye Clickwheel, ab jetzt soll alle Welt gefälligst an der Wolke hören. Ganz besonders dumme Idee - findet nicht nur Mapambulo...

Jens Friebe: Einladung in die Waschanlage

Wer schon mal vorhören durfte, der weiß, dass die neue Platte von Jens Friebe eine gute geworden ist. Zumindest den Titeltrack des Albums "Nackte Angst zieh dich an wir gehn aus", das am 19. September ins Regal kommt, darf man sich nun schon einmal anschauen - Achtung: Kategorie Romantisches Waschanlagenvideo.

Dienstag, 9. September 2014

U2: The World Won't Listen

Wo wir's gerade von bräsig hatten: War doch klar, dass U2 nicht weit sein konnten, wenn Apple eine bunte Armbanduhr und ein paar aufgeblasene iPhones in Cupertino präsentiert und alle Welt wie bekloppt vor den Tickern sitzt, um den ersten Schnitt abzubekommen. Gesungen haben sie dann auch noch (also Bono und Konsorten) und danach bekanntgegeben, dass ihr Album "Songs Of Innocence" (huhh, Nackenhaarkräuseln meets Fremdschämen) ab sofort in der iWolke geparkt wird. Erste Kommentare ließen natürlich nicht lange auf sich warten - Geoff Barrow, quasi Tontechniker von Portishead, schrieb via Twitter: "If U2 were given a broken drum machine and 2 string gtr and a cassette 4 track I might have a quick listen but...." und "Did Bono record vocals on the iwatch cos it sound like there recorded groin height moving closer then further away in a rhythmical motion." Nun, es werden wohl nicht die letzten gewesen sein.

Julian Casablancas: Der Oasis-Effekt

Sollte mit dem Jungen wohl das Gleiche passieren wie mit den Gebrüdern Gallagher? Deren Band (wer sich noch erinnert: Oasis) war über die Jahre einfallslos und bräsig geworden, also stritten sie sich fleißig und versuchten es fortan auf getrennten Wegen und siehe resp. höre da - es klappte wieder mit den guten Songs. Geschwister, mit denen sich Julian Casablancas streiten könnte, gibt es keine, aber auch The Strokes haben sich in der letzten Zeit nicht mit Ruhm bekleckert. Doch solo blieb der New Yorker bislang nichts schuldig - "Phrazes For The Young" (2009) war wundervoll und auch sein letzter Gastauftritt bei Daft Punk ließ aufmerken. Nun hat er zusammen mit seiner Kapelle The Voidz die nächste Eigenleistung angekündigt, "Tyranny" soll Mitte Dezember auf seinem eigenen Label Cult Records erscheinen und nach dem Elfminüter "Human Sadness" kommt hier der zweite Leak "Where No Eagles Fly" samt Video.

Perfume Genius: Kampf den Dämonen

Die erste Single eine Offenbarung und auch die zweite ist nicht ohne: Perfume Genius läßt dem Song "Queen" den nächsten folgen - im Video zu "Grid" kämpft er mit Dämonen und Versuchungen und es hört sich wieder blendend an. Das Album "Too Bright" erscheint Mitte September bei Matador.

Montag, 8. September 2014

Iceage: Dänische Chamäleons

Erst Rock'n Roll, dann Post Punk: Die dänischen Iceage hatten sich ja schon für den ersten Song ihres neuen Albums "Plowing Into The Field Of Love", das Anfang Oktober erscheinen soll, eine Überraschung einfallen lassen - der lässige Swing von "The Lord's Favorite" klang so ganz anders als der punkige Sound auf ihren beiden ersten Platten. Nun kommen sie mit "Forever" als Reinkarnation des jungen Nick Cave daher und machen das nicht gar mal so schlecht. Wer die Jungs live erleben möchte, hat dazu im November Gelegenheit - das Video zum neuen Stück gibt's bei Clipfish.

22.11.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
23.11.  Trier, Exhaus
24.11.  Berlin, Berghain Kantine
25.11.  Esslingen, Komma
26.11.  Wien, Arena
27.11.  München, Strom
28.11.  Zürich, Kinski

Donnerstag, 4. September 2014

Blonde Redhead: Mit weniger mehr

Blonde Redhead
„Barragán“

(4AD)

Über zwanzig Jahre musiziert Kazu Makino nun schon mit den Brüdern Simone und Amadeo Pace. Zu behaupten, sie hätten dies nahezu unbeobachtet getan, wäre übertrieben, aber ihre Anhängerschaft ist überschaubar – wie immer, wenn man eine Nische bespielt und ehrenwerter Weise für sich beschlossen hat, diese für großes Geld und noch größere Hallen nicht zu verlassen. Über ihrer steht im Übrigen in großen Buchstaben ‚Dreampop‘ geschrieben – was auch immer das heißen mag – und man kann Blonde Redhead hoch anrechnen, das sie diesen eigenartigen Begriff über die Jahre sehr weit gedehnt haben. Die letzten zwei, drei Alben wandelten beispielsweise zwischen bittersüßen Tagträumereien (insofern doch ein Genrebezug) und schwer melancholischem Klagegesang, verführerisches Moll, feingewebte Gitarren und Makinos mal feen-, mal sirenenhafte Stimme bestimmten das Bild.

Für das Verständnis des nun folgenden „Barragán“ ist es hilfreich, auch die Arbeit der Band an weniger bekannten Projekten zu erwähnen: Neben der Initiation der Erdbeben-Benefizplatte „We Are The Works In Progress“ haben Blonde Redhead auch die Soundtracks zu zwei Filmdokumentationen geschrieben – zum einen für Keven McAlester’s „The Dungeon Masters“ und später zu Brendt Barburs Film „The Commentator“, Computerspiele und Radklassiker, beides keine Themen, hinter denen man eine Indiepopband vermuten würde. Die Liebe zu konzeptionellen Scores läßt sich nun auf dem vorliegenden Album deutlich heraushören. Denn wie keine ihrer Platten zuvor ist diese hier wie die Klangkulisse zu einem fiktiven Drama angelegt.

Wer die Filme von Pedro Almodovar kennt und liebt, der wird zwischen ihnen und der Musik von „Barragán“ einige (unfreiwillige?) Parallelen erkennen können. Auch hier kippen die Stimmungen ineinander über, wechseln von beschwingt und lebendig über träge und schwermütig zum großen, gern auch theatralischen Gefühlsausbruch. Begleitet von einer Alltagsgeräuschkulisse gibt also es nach zarter Einstimmung die verzaubernden Töne der „Lady M“, gefolgt von federleichten Takten und herrlich schiefen 80er Synths („Dripping“) und den lässigen Hooks zum fettem Bass der „Cat On Tin Roof“. Richtiggehend südländisch dann „The One I Love“, das selbst gleich mehreren Richtungen folgen will. Und weil diese großartige Platte neben vielen Abwechslungen und Gegensätzen auch Herzstücke braucht und hat, kommen mit „No More Honey“, „Mind To Be Had“ und „Defeatist Anthem“ – zusammen knappe zwanzig Minuten lang – gleich drei Songs am Stück, die sich auf angenehme Weise dem verspielten Psychrockblues von Warpaint nähern.

Sie machen das so ähnlich, aber auf ihre Art deutlich puristischer und genau dies ist einer der wichtigsten Wesenszüge des Albums: Blonde Redhead haben für „Barragán“ gelernt, mit weniger mehr zu machen, haben die Anzahl der Instrumente und Schichten für den neuen Sound merklich zurückgenommen und erzielen dennoch eine vergleichbar beeindruckende Wirkung wie auf den vorangegangenen Werken. Ob nun Akustikgitarre, Flöte oder sogar eine Maultrommel, programmiertes Geplucker, die Riffs einschmeichelnd melodiös oder laut und schräg, es wird nichts übertrieben und immer mit Bedacht kombiniert und so ist der Gesamteindruck ein  guter und bleibender. Und jetzt, wo das erste Halbjahr schon gedanklich gewogen ist, darf man sich schon mal zur Ansage versteigen: Top Twenty 2014, mindestens. www.blonde-redhead.com

16.09.  Köln, Gebäude 9
17.09.  Berlin, Frannz Club
04.10.  (CH) Freiburg, Fri-Son
05.10.  (CH) Luzern, Schüür

Mittwoch, 3. September 2014

Future Islands feat. Win Butler: Traumhochzeit

Klar, die Qualität ist besonders übel und auch die Länge eher mau, aber wir reden hier schließlich von den Future Islands und ihrem Song "Seasons (Waiting For You)" - für selbigen stieg gerade Win Butler von Arcade Fire in Montreal mit auf die Bühne und wer schon das Glück hatte, Samuel T. Herring einmal live zu erleben, der weiß, dass es kaum besser geht - Butler hat das wahrscheinlich auch so gesehen.