Donnerstag, 5. März 2015

Chromatics: Vielleicht groß

Wann es kommt, weiß man noch nicht so genau, dass es groß werden könnte, läßt auch die neue Single vermuten: Die Chromatics haben einen weiteren Song aus ihrem neuen Album "Dear Tommy" veröffentlicht - "I Can Never Be Myself When You're Around" folgt auf "Just Like You", beides Dreampop im besten Sinne und in der Tradition der vorangegangenen vier Platten der Band aus Portland.

Westkust: Gar nicht so süß

Again and again and again - die zauberhaftesten Tracks kommen in letzter Zeit aus der Sparte Shoegazing: So zum Beispiel die Songs der schwedischen Formation Westkust - zwei der fünf Mitglieder spielen im Übrigen auch bei den hier kürzlich lobend erwähnten Makthaverskan aus Göteborg. Was an "Swirl", dem gerade geleakten Track auffällt sind die für Pedalpopper auffällig rauhen Töne bei Gitarre und Gesang. Schaden tut das dem Gesamteindruck keinesfalls - das Stück stammt im Übrigen vom demnächst erscheinenden Longplayer "Last Forever".

Violent Femmes: Jede Menge Liebe

Das wissen wir ja, dass der Record Store Day für so manche Überraschung gut ist - diese hier aber ist ein kleiner Hammer: Die Violent Femmes, göttergleiche Schrammeltruppe aus Milwaukee, werden an diesem Tag und somit ganze fünfzehn Jahre nach ihrer letzten Verlautbarung eine EP mit dem Titel "Happy New Year" veröffentlichen und die erste Auskopplung "Love Love Love Love Love" haben Gordon Gano und Brian Ritchie auch schon vernetzt. Noch besser: Die Band will laut Rolling Stone im Frühjahr an weiteren Songs arbeiten.

Mittwoch, 4. März 2015

Marilyn Manson: Father and Son

Unbedingt sehenswert: Das New Yorker Magazin PAPERMAG präsentiert auf dem Cover seiner März-Ausgabe ein sehr witziges Foto von Marilyn Manson. Dieses gehört zu einer Serie von Bildern, die ein Interview im Heft illustrieren - mit dabei auch eine Aufnahme, die Manson zusammen mit seinem Vater Hugh Warner zeigt, mit dem identischen Makeup. Und wer glaubte, das sei für den Senior eine Premiere, den belehrt Manson sogleich: "When I see pictures of my dad, I'm like, he looks like me. The first time I saw my dad in makeup was, ironically, the second concert I ever went to. He dressed as Gene Simmons and took me to the Kiss 'Dynasty' tour when I was 11. And people were asking my dad for his autograph."

Pollyester: Gescheit getanzt

Pollyester
„City Of O“

(Disko B/Schamoni Musik)

Gepasst hätte es wohl, gemeint war’s aber nicht: Polina Lapkovskaja aka. Pollyester hatte für den Titel ihres neuen Albums keinesfalls den Sadomaso-Chic der Pauline Réage im Sinn. Vielmehr verweist “City Of O” auf die künstlerische Nachbildung des Orionsternzeichens in Form einer Fantasiefestung (Hannsjörg Voth/Ingrid Voth-Amslinger) in der marokkanischen Wüste, ein “Sehnsuchtsort” der Münchner Electroformation, so zumindest das Label. Glücklicherweise ist die nähere Identität des Buchstaben “O” für die Wirkung der Platte nicht unbedingt von Nöten, denn die Musik der vier geht ohne Umwege geradewegs vom Bauch in die Beine und ist dazu angetan, diese ordentlich in Bewegung zu halten. Pollyester bieten auch auf Album Nummer drei einen Sound, zusammengemischt aus dem Besten, was die (Hashtag: Gebetsmühle) sträflich unterschätzten 80er so zu bieten hatten – hier schmatzen die Synthies, pochen die Beats, wird Wave mit Funk verkocht. Lässig getanzte Gesellschaftskritik ist ja momentan ganz schwer im Kommen (nehmen wir zum Beispiel “Libertatia” von Ja, Panik – schon länger draußen, und “Keine Arbeit, lieber tanzen” von Tubbe – kommt bald), entsprechend geschickt haben auch Pollyester ein paar Anmerkungen zum seltsamen Lauf der Dinge verpackt: So muss der Sängerin höchsteigene Telefonnummer für ein paar zornige Zeilen an den Überwachungsstaat herhalten ("2328628"), die fest geschnürten Stiefel geben die passende Metapher zum beharrlichen Stehvermögen ab (“In My Boots”). Dass sich hinter “Catrina” eine Schutzheilige des mexikanischen ‘Día de los Muertos’, zu deutsch: Allerseelen, verbirgt, freut den Nerd, klingen tut das Stück wie eine abgebremste Italopop-Variante der Liaison Dangereuse' – also: ziemlich toll. Musik zum Zappeln, Hüpfen, Federn, Schwitzen, geschmeidig, fordernd und sehr charmant. Und ein bisschen auch zum Verlieben. http://www.pollyester.net/

11.03.  Dresden, Altes Wettbüro
12.03.  Leipzig, Goldhorn
13.03.  Kassel, Unten
14.03.  Essen, Hotel Shanghai
27.03.  Hamburg, Nachtasyl
28.03.  Hamburg, MS Stubnitz
27.04.  Linz, Crossing All Europe Festival
30.04.  Nürnberg, Zentralcafe
29.05.  Hamburg, Golem
13.06.  Berlin, Torstrassen Festival/Bassy Club
27.06.  Innsbruck, Das Grand Motel Festival

Dienstag, 3. März 2015

TV On The Radio vs. Chilly Gonzales: Alles anders

Re-Make ist nicht gleich Re-Work und erst recht nicht Re-Mix. Verständlich also, dass Chilly Gonzales, kanadischer Wahlberliner, Klaviervirtuose und bekennender Morgenmantelträger, keinen Stein auf dem anderen läßt, wenn er sich "Test Pilot" von TV On The Radio vornimmt. Herausgekommen ist dann allerdings die erwartet superchillyge (hohoho) Pianoversion - selber hören bei Vevo.

Montag, 2. März 2015

Kanye West: Professionelle Hilfe

Nicht wenigen ist es in den letzten Wochen tatsächlich so vorgekommen, als könnte dem Mann etwas professionelle Hilfe nicht schaden - womöglich auch die von ganz weit oben: Kanye West hat sein nächstes Album folgerichtig auch "So Help Me God" genannt. Einsicht oder nicht, versuchen wir uns mal ein paar Minuten auf das Wesentliche, also die Musik zu konzentrieren und das wären dann neben dem Paul-McCartney-Rührstück "Only One" und der doch recht ungewöhnlichen Catwalkbeschallung "Wolves" seit kurzem noch die Studioversion von "All Day (Feat. Allan Kingdom/Theopilus London)". Und das, sind wir ehrlich, reicht zumindest für ein bisschen Spannung, Bling Ding hin oder her.


Faith No More: Alles super

Und auch Faith No More haben sowohl grafisch als auch akustisch nachgebessert: Das Cover des Mitte Mai erscheinenden Albums "Sol Invictus" hat die Band mittlerweile im Netz geteilt, dazu kommt eine weitere Auskopplung mit dem Titel "Superhero".




Samstag, 28. Februar 2015

Martin Gore: Warten und Raten [Update]

Wachsende Vorfreude für Anhänger von Martin Gore: Der Songwriter, Komponist und Sänger von Depeche Mode plant offenbar in nächster Zeit die Veröffentlichung eines neuen Albums. Nach den beiden Solowerken "Counterfeit e.p." (1989) und "Counterfeit²" (2003) und der Minimal-Techno-LP "Ssss" zusammen mit Freund und Ex-Kollege Vince Clarke unter dem Projektnamen VCMG steht nun Gerüchten zufolge (www.depechemode.de) eine weitere Instrumentalplatte an, die eher in Richtung Ambient zielen soll. Ob Gore das allein bewerkstelligt hat oder ob sich hinter dem auf seiner Facebook-Seite geposteten Kürzel #MGxMG noch ein Kompagnon verbirgt, ist nicht bekannt und auch die bislang bekannten Fotos (Kabel, Druckform, s.u.) geben kaum  weiteren Aufschluss - einzig dass der Düsseldorfer Produzent Stefan Betke alias Pole seine Finger im Spiel hatte, läßt sich bei genauerer Betrachtung erahnen.

Update: Nun also auch Cover, Titel und erster Song - "MG" soll's heißen und "Europa Hymn" klingt tatsächlich etwas loungig - Ende April kommt das gute Stück via Mute.





Interpol: Noch nicht fertig

Köln und Berlin waren also nicht die beiden einzigen Livetermine - Interpol bessern noch einmal nach: Neben den Festivals Rock am Ring/Rock im Park gastieren die New Yorker im August ebenfalls in Hamburg, St. Pölten und Dortmund.

17.08.  Dortmund, FZW
20.-22.08.  St. Pölten, Frequency Festival
21.-23.08.  Hamburg, Dockville Festival


Interpol - My Desire from Knucklehead on Vimeo.

Freitag, 27. Februar 2015

Action Bronson: Wortwörtlich

Der Clip ist dann wieder eine ganz andere Hausnummer: Witzig, einfallsreich, abgedreht - also genau das Richtige für Freitagabend. Action Bronson tobt sich bei "Actin Crazy" vor dem Green Screen aus und alle, alle haben Spaß dabei. Das dazugehörige Album "Mr. Wonderful" ist auch nicht mehr weit.

Purity Ring: Puristisch

Etwas interstellare Kontemplation - viel mehr ist nicht zu holen im neuen Video von Purity Ring. "Bodyache" stammt von ihrem Album "Another Eternity", das am heutigen Freitag erschienen ist. Aber keine Angst, ganz so ereignisarm wie der Clip ist die Platte dann doch nicht geworden...


Donnerstag, 26. Februar 2015

Sizarr: Press Repeat

Sizarr
„Nurture“

(Four Music)

Das wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn Sizarr nicht genau da weitergemacht hätten, wo sie vor gut zwei Jahren mit dem phänomenalen „Psycho Boy Happy“ aufgehört (jetzt also: unterbrochen) haben. Denn tatsächlich blieben danach zwei Fragen offen: 1. Was, schon so weit? 2. Wie, wirklich alles? Für ein Debüt klang das damals fast zu perfekt und wer einmal vom schwelgerischen Synthpop der Landauer Band angefixt war, der konnte mit den zwölf Songs des Erstlings nur bedingt auskommen – Nachschub musste her. Und ist nun mit „Nurture“ gekommen – das neue Album fügt sich nahtlos an den Erstling, überzeugt mit derselben Reife, Eleganz und Melancholie. Wie schon 2012 starten sie mit einem Stück, das jeden an den Haken kriegt – was damals „Run Dry“ war, ist hier „Clam“: Ein sanft pochender Beat, dann diese nervöse Gitarre (bei der Andy Summers als Inspiration nicht weit weg gewesen sein kann) und spätenstens wenn Fabian Altstötter mit seiner warmen und vollen, manchmal leicht brüchigen Stimme einsetzt, ist man verloren.

Songs wie diesen (und die folgenden) hat man in letzter Zeit von den Foals, den Maccabees oder den Wild Beasts gehört, aber ganz sicher nicht hierzulande, und das zeigt schon, wie hoch die drei die Messlatte immer noch legen können und dass sie zweifellos mit den Genannten auf Augenhöhe musizieren. Die dramatischen Brüche von „I May Have Lied To You“, die dunkel vibrierende Schwermut der Vorabsingle „Scooter Accident“, die sich am Ende zu wütender Disharmonie wandelt, der gut sechsminütige Abschluss „How Much For This“ als gebührendes Finale und Essenz, große Gesten, Leidenschaft, Breitwand – das soll und darf auch gar nicht kleiner sein. Warum also noch herumreden, wenn’s doch letzten Endes ohnehin darauf hinausläuft, dass Sizarr ein weiteres Mal alles richtig gemacht haben. Die Eingangsfragen sind erneut ungeklärt - die Zeit, die man sich mit dem Lesen von weiteren Elogen spart, kann man also durchaus sinnvoller nutzen: Press Repeat. http://www.sizarr.com/

Der Komplettstream des Albums steht zur Zeit bei Deezer.

26.03.  Stuttgart, Universum
27.03.  Freiburg, Schmitz Katze
08.04.  Bremen, Lagerhaus
09.04.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
10.04.  Köln, Gebäude 9
11.04.  München, Strom
12.04.  Nürnberg, Club Stereo
13.04.  Frankfurt, Zoom
15.04.  Dresden, Scheune
16.04.  Leipzig, UT Connewitz
17.04.  Berlin, Lido

Nicolas Jaar vs. Florence And The Machine: Er hat verstanden

Auch wenn's schwer fällt - noch einmal das Hohelied auf die alterwürdige Maxiversion zu singen, das gleichzeitig ein Klagelied ist, weil selbige fast gänzlich verschwunden ist - machen wir nicht. Aber der Gedanke kann einem schon kommen, wenn man sich den gerade online gestellten Remix von Nicolas Jaar zu "What Kind Of Man" anhört, der ersten Vorabveröffentlichung von Florence And The Machine und ihrem neuen Album "How Big How Blue How Beautiful". Lang, sehr lang, spannungsreich, mit neuen Facetten - der Mann versteht sein Handwerk, Respekt.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Screaming Females: Die Wut bleibt

Screaming Females
„Rose Mountain“
(Don Giovanni/Cargo)

Ganz am Anfang schaut man ein wenig irritiert, weil doch Marissa Paternoster, meistenteils äußerst zornige Frontfrau der Screaming Females, gerade im Chorus zu „Empty Head“ mit der Frage kommt „Why must I be the angry one?“ Na weil genau das der Deal ist, denkt man sich, der Grund also, warum einem das Punkrock-Trio aus New Jersey über die Jahre ans Herz gewachsen ist. Wenige können so schön wüten wie die Frau mit dem unvergleichlichen Namen und nur ganz wenige schreiben so gute Songs darüber. Natürlich war das ein kleines Missverständnis, der Kontext des Openers ist ein komplett anderer, Beziehungsärger, beiderseitiges Unverständnis, Ratlosigkeit, solche Sachen. Und überhaupt: Keinerlei Grund sich Sorgen zu machen um Paternosters besagte Primärtugend, denn auch die zehn Stücke des neuen, mittlerweile sechsten Albums haben ausreichend Feuer. Es ist diesmal jedoch nicht der sperrige Punk der Vorgängers „Ugly“, der begeistert, vielmehr schwankt „Rose Mountain“ zwischen dem zerhackten, hochenergetischen Indierock von Sleater-Kinney und dem alternativen, metallischen Noise des bislang unerreichten Frühwerkes „Gish“ der Smashing Pumpkins.

Tempoverschleppungen und-wechsel, wohltönend schiefer Gitarrenkrach, abrupte Breaks und jede Menge Aggressivität – die Screaming Females haben sich breiter aufgestellt und trauen sich auch mal (wie bei „Wishing Well“ oder dem wunderbaren „Hopeless“), eine eingängige Melodie über mehrere Takte hinaus zu entwickeln. Möglicherweise erkennt man hier die Handschrift des Produzenten – hatte die letzte Platte noch Rohklang-Guru Steve Albini in den Händen, so haben sich die drei für das aktuelle Werk Matt Bayles an die Regler geholt, einen Mann, der auch schon mit Isis, Pearl Jam, den Screaming Trees und The Blood Brothers gemeinsame Sache machte. Vielleicht deshalb jetzt die psychedelischen Anklänge, ein paar Orgeln und das Piano (!) zu Schluss. Geschadet hat es keinesfalls, die Screaming Females sind weniger leicht auszurechnen und an Kraft haben sie nichts verloren. Ach ja, und eines hat Marissa Paternoster noch versprochen: „On the next try I’ll be much sweeter, in the next life I’ll be better“ ("Wishing Well") – für diesen Moment wirklich sehr tröstlich. http://screamingfemales.com/

26.04.  Bielefeld, AJZ
27.04.  Berlin, Berghain Kantine
02.05.  Hamburg, Astra-Stube
05.06.  Wien, Fluc
06.05.  München, Kafe Kult
07.05.  Düdingen, Bad Bonn

Wolf Alice: Erste Anzahlung

Nun ist es also bald soweit: Wolf Alice, neue Hoffnung des arg gebeutelten Indierocks, haben für Mitte Juni ihr Debütalbum "My Love Is Cool" angekündigt, produziert hat es dem Vernehmen nach Mike Crossey (Arctic Monkeys, Foals, Blood Red Shoes) und die erste Vorauskopplung "Giant Peach" ist schon mal eine ordentliche Anzahlung.

Warpaint: Vorgeschmack

Eigentlich wie immer (Hashtag: Gemeinplatz): Erst wenn einem unverhofft Altbekanntes über den Weg läuft, weiß man, wie sehr man's vermisst hat. Solches passiert einem mit dem neuen Stück von Warpaint, dass gerade im Netz aufgetaucht ist und einen, auch wenn es gar nicht drauf ist, an die grandiose letzte Platte des Quartetts aus L.A. erinnert, die vor gut einem Jahr erschienen ist. "No Way Out (Redux)", so die Band, soll eine Serie neuer Songs anführen, für den Anfang klingt dieser schon mal nicht schlecht.

Dienstag, 24. Februar 2015

BADBADNOTGOOD and Ghostface Killah: Kontrastprogramm

BADBADNOTGOOD and Ghostface Killah
„Sour Soul“

(Lex Records)

Mancher wird sich ein ungläubiges Staunen nicht verkneifen können: Wenn man sich die Liste der Künstler anschaut, mit denen das kanadische Trio BADBADNOTGOOD schon zusammengearbeitet hat, dann mag man gar nicht glauben, dass Matthew Tavares, Alexander Sowinski und Chester Hansen gerade mal Mitte zwanzig sind. Doch auch wenn die drei aussehen wie milchgesichtige Collegeboys, so standen sie doch schon mit oder für RZA, Ryan Hemsworth, Earl Sweatshirt, Tyler the Creator und Frank Ocean im Studio und selbst Peppers-Bassist Flea postet seine Verehrung eifrig über alle verfügbaren Kanäle. Dabei ist die Musik der Band nicht gerade das, was man als unbedingt mehrheitsfähig bezeichnen wollte – elektronischer, gesampelter Instrumental-Jazz, herzlich willkommen in der Nische. Einer ganzen Reihe feiner Remixarbeiten und ebenjenen Kollaborationen aber ist es zu verdanken, dass BBNG zumindest in ihrer Heimat weitaus populärer sind, als es das Subgenre vermuten lässt. Die Verbindung zu Ghostface Killah erscheint da fast zwangsläufig, sorgte doch dessen Hip-Hop-Kollektiv Wu-Tang Clan vor über zwei Jahrzehnten für die Aufweichung bis dato festgefügter Reviergrenzen und kombinierte Rap u.a. mit Jazzeinflüssen – ihnen und den gleichermaßen vorausschauenden The Roots verdankt der Hip Hop zu großen Teilen seine heutige Stilvielfalt und nachhaltige Bedeutung.

Die Stücke auf „Sour Soul“ sind denn auch recht verschiedener Natur, die Rhymes von Ghostface Killah (und den Gästen Danny Brown, Elzhi, Tree, MF Doom) unterlegen BBNG mal mit klassischen Souljams, Bläserblech und dicken Streicherarrangements („Ray Gun“), an anderer Stelle gibt’s entspanntes Barpiano („Food“) oder trockene, rauhe Gitarrenakkorde zu drängenden Beats („Mind Playing Tricks“), alles so abwechslungsreich, dicht und vielschichtig, dass es problemlos auch ohne Vocals funktionieren würde (allen, die auf den Geschmack gekommen sind, sei an dieser Stelle unbedingt „III“, das aktuelle Album von BBNG empfohlen – noch dunkler, noch elektrischer, und eben komplett stimmlos). Natürlich mag man die Lyrics nicht missen, schließlich arbeiten sie sich bei „Sour Soul“, „Six Degrees“ oder „Street Knowledge“ in erwartbarer und gebotener Härte an gesellschaftlichen Missständen ab, auch dieser Kontrast zur eher feinverästelten Soundkulisse ist ein reizvoller. Eine Platte also, die kaum weniger beeindruckt als D’Angelo’s Überraschungscoup „Black Messiah“ wenige Wochen zuvor und die, bei allem Resepkt, das selbstverliebte Gehabe eines Kanye West ziemlich lächerlich erscheinen lässt.

Der komplette Stream des Albums findet sich momentan bei Soundcloud.

The Prodigy: Puppenkiste

Das wollen wir dann doch noch nachtragen: Seit kurzem gibt es eine weitere Auskopplung aus dem neuen Album "The Day Is My Enemy" von The Prodigy - "Wild Frontier" kommt mit putzigem Animationsvideo daher, am 27. März steht dann endlich das Komplettwerk zum Verkauf.

Godspeed You! Black Emperor: In Andacht

Wozu ein freier Abend alles gut sein kann: Zum Beispiel in angemessener Ehrfurcht die Nachricht von einem neuen Album der kanadischen Postrock-Formation Godspeed You! Black Emperor entgegenzunehmen und dem ersten Song in Andacht zu lauschen. "Asunder, Sweet And Other Distress" erscheint Ende Mai bei Constellation Records und enthält ganze vier Titel, einer davon heißt "Peasantry or 'Light! Inside of Light!" und steht hier im Stream. Erfreulicherweise hat sich die zehnköpfige Truppe auch zu ein paar Ausflügen auf die Bühne ermuntern lassen - das wie folgt:

07.04.  Hamburg, Markthalle
08.04.  Essen, Weststadthalle
09.04.  München, Freiheiz
12.04.  Lausanne, Les Docks
25.04.  Winterthur, Salzhaus
26.04.  Krems, Donaufestival