Dienstag, 15. April 2014

OFF! Tarantino für Headbanger

Okay - das ist platt. Und sowas von überhaupt nicht neu. Aber: Es ist auch irgendwie ziemlich lustig. Unsere Lieblingspunks OFF! aus Los Angeles haben zum Song "Red White And Black" ein ausnehmend hübsches Video voller Naziklamauk drehen lassen - das Stück stammt vom gerade erschienenen Album "Wasted Years". Die Comedians Brian Posehn und Dave Foley schlüpfen in die Rollen selbstverliebter, dumpfbackiger Knallchargen, unterstützt werden sie von einer Horde nicht ganz unbekannter Statisten - wie Danny Carey (Tool), David Yow (Jesus Lizard), Dale Crover (The Melvins) und Jack Grisham (T.S.O.L.). Und nun - Quentin Tarantino, eat your heart out!

Paul Weller: Moderne Klassiker

Gegen Klassiker ist ja nichts einzuwenden, gegen moderne schon gleich gar nicht: Und weil Paul Weller, einer der coolsten Hunde ever, ohnehin alles darf, veröffentlicht er Anfang Juni den Nachfolger zu seiner 1998'er Compilation "Modern Classics" - nun mit dem schlüssigen Titel "More Modern Classics". Und weil auch Weller einen Titel braucht, der erst noch zum Klassiker reifen muss, ist auf dem Sampler mit "Brand New Toy" auch ein neuer Song vertreten. Das genaue Tracklisting findet sich im Übrigen beim NME.

Montag, 14. April 2014

The Black Keys: Nightfever

Man muss schon sehr genau hinhören, um hinter dem Track Dan Auerbach und The Black Keys zu entdecken: Dennoch, dies ist der Titelsong ihres neuen Albums und offensichtlich werden wir uns, der erste Leak "Fever" deutete das ja schon an, nach dem knackigen "El Camino" auf ein paar Kurskorrekturen einstellen müssen.


Wovenhand: Flimmerpremiere

Kürzlich hatten wir's ja vom Oberklabautermann David Eugene Edwards, der sich anschickt, mit seinen Zweitprojekt Wovenhand eine neue Platte "Refractory Obdurate" ins Geschäft zu bringen. Die erste Hörprobe "Hiss" war dann auch gleich ein richtiger Brocken, für einen weiteren Titel namens "Field Of Hedon" gibt es nun - so behauptet es der zwingend verlässliche Promodienst - sogar den ersten Clip der Band überhaupt zu bestaunen. Entstanden ist er in Zusammenarbeit von Yukikoh Okura (Visuals) und Schneider TM (Produktion), Schonkost ist auch dieser Song nicht.

The Notwist: Circus Maximus

The Notwist
Circus Krone, München, 13. April 2014
Support: Jel, Joasihno

Gastspielwoche bei Mapambulo, Teil 3 und Schluss: Wer sich wirklich noch nicht ganz sicher war, dem genügte einfach ein Blick auf die beseelten Gesichter der umstehenden Mitbesucher, um endgültig zu wissen: Viel perfekter als The Notwist an diesem Abend kann man ein Konzert nicht spielen, viel mehr Zufriedenheit ist für zwei Stunden in diesem Rahmen schwer zu bekommen. Dem oberbayerischen Heimwerkerensemble wird ja immer gern nachgesagt, sie seien neben Kraftwerk die einzige vorzeigbare Formation mit internationalem Renommee, für die man sich in Deutschland nicht schämen müsse, unbeirrbar, originär, relevant eben. Und nach dem Auftritt unter der sparsam beleuchteten Kuppel weiß auch der letzte Zweifler, warum das so ist: Weil es den Musikern um Markus Acher und Martin Gretschmann in bemerkenswerter Manier gelingt, den feingewirkten, vielschichtigen Sound ihrer Alben so für die Bühne zu adaptieren, dass die Zuhörer einerseits auf keines der liebgewonnenen Details verzichten muss, zudem wird offenkundig, mit welch ungebremster Spielfreude sie das Liveformat ihrer Songs zu nutzen wissen. Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, The Notwist haben die Arena gerockt.

Das aufgebotene Set umfasst gut zwanzig Stücke inklusive dreier Zugabenblöcke – ‘career spanning‘ sagt man da wohl gern – fast jedes ihrer Alben wird, wenn auch zu ungleichen Teilen, gewürdigt. Vom Frühwerk „Nook“ stammt das punkige „One Dark Love Poem“, vom famosen „Shrink“ wiederum ein knisternd irrlichterndes „Chemicals“. Deutlich mehr Platz natürlich aus der Zeit ihres kommerziellen Durchbruchs – Tracks von „Neon Golden“ wie „One With The Freaks“ oder „Pick Up The Phone“ muss man hier natürlich keinem mehr erklären, da reicht ein Takt zur kollektiven Glückseligkeit. „Gravity“ und „Gloomy Planets“ von „The Devil, You+Me“ wandeln die Zirkuskuppel unweigerlich zu einer Art Planetarium und die sanften Beats und funkelnden Gitarrenhooks heben das Publikum mit verblüffender Leichtigkeit auf eine neue Ebene. Fast unnötig zu erwähnen, dass sich auch die Stücke des aktuellen Albums „Close To The Glass“ nahtlos ins Programm einfügen. Die Singles „Run, Run, Run“ und „Kong“ werden ebenso schnell wiedererkannt wie begeistert gefeiert und auch die kunstvoll verfugten Loops von „Into Another Tune“ stehen denen auf der Platte in nichts nach.

Immer wieder beeindruckend ist die umtriebige Performance der sechs Musiker, die man so gar nicht mit dem verfrickelten, elektronischen dominierten Sound der Band verbinden möchte. Nicht nur Gretschmann und Acher in den Bühnenmitte, auch die anderen sind ganz und gar bei der Sache – ein jeder variiert gekonnt zwischen kammermusikalischer Klangkulisse und ohrenbetäubender Wall Of Sound und springt zwischen den jeweiligen Instrumenten einher, einzig Andi Haberl behält seinen Platz an den Drums und sorgt für ein präzises, rhythmisches Grundgerüst. Für die Schlussminuten macht sich der Sänger, als hätte er noch nicht genug zu tun, zudem noch an den Plattentellern zu schaffen, sampelt seine eigene Stimme und scratcht der Band durchaus gekonnt in die Parade, viel mehr Beweise für die gelungene Übersetzung der komplexen Songstrukturen ins Hier und Jetzt braucht es da wirklich nicht. Jel, Rap-DJ und langjähriger Bandbegleiter, der für The Notwist die Show eröffnen durfte, bemerkte zu Beginn etwas enttäuscht, dass er gerade an so einem Ort schon gern ein paar wilde Tiere gesehen hätte – nun, selbst ein Ballett aus tüllberockten Elefantenkühen hätte diesem Abend kaum Sensationelleres hinzufügen können.


Fear Of Men: Ein kurzer Blick

Fear Of Men
„Loom“

(Kanine Records)

Viel findet sich noch nicht in der Historie der Fear Of Men, es gibt sie schließlich erst seit drei Jahren. Man darf jedoch vermuten, dass Jessica Weiss, Daniel Falvey, Robyn Edwards und Michael Miles eine gemeinsame Vorliebe für die schönen Künste im weitesten Sinne teilen. Die Demotapes aus ihren Anfangstagen hat das Quartett aus Brighton nach Alice Munro und Hanna Schygulla benannt, auffällig auch das Faible für altertümliche Keramiken und Skulpturen, die sämtliche Cover der vier zieren. Dazu noch ein der griechischen Androphobie entlehnter Bandname – hier legt jemand offensichtlich großen Wert auf ein gehobenes Image. Große Kunst sind zweifelsohne auch einige Stücke dieses Debüts – so wunderbare Songs wie „Waterfall“, „Green Sea“ und „Luna“ lassen einen glauben, Fear Of Men hätten zumindest einen kurzen Blick auf die Weltformel des Songwritings werfen dürfen. Nicht von ungefähr läßt sich der Albumtitel mit ‚Schimmer‘ übersetzen, der Sound strahlt tatsächlich einen anmutigen Glanz aus – berückendes Gitarrenspiel, weicher, teils mehrstimmig geschichteter Gesang, alles schön in melancholischem Moll gehalten, irgendwo zwischen The Organ, Belle And Sebastian und Blonde Redhead. Schön, wenn sie wie bei besagtem „Green Sea“ ihren Saiteninstrumenten ein paar verzerrte Schlieren beimischen, im Video werden dazu auch gleich noch ein paar von den hübschen Vasen entzweigehauen. Ganz so lieblich soll es also doch nicht zugehen, das Album bleibt dennoch Schmuckstück.

Samstag, 12. April 2014

WIFE: Zwangsläufig

Man muss nicht lange herumrätseln, woher diese Musik wohl kommen könnte - für diese Art von RnB-infiziertem Elekrosound ist London momentan einfach der richtige Ort zur richtigen Zeit: James Kelly, zuvor bei der Band Altar Of Plagues am Mikrophon, hat unter dem Namen WIFE sein Solodebüt "What's Between" fertig, von diesem stammt die erste Single "Heart Is A Far Light". Produziert wurde das Album übrigens u.a. von Bobby Krlic, der mit seinem Soloprojekt Haxan Cloak dem einen oder anderen hierzulande als Support der Liars in Erinnerung geblieben ist. Bei Dazed And Confused findet sich auch noch ein hörens- und sehenswerter Ausschnitt aus Kellys erster EP "Stoic", der Song heißt "Trials".

Disclosure: Ausnahmeerscheinung

House bekommt auf dieser Seite zugegebenermaßen nicht so oft zu hören, erst recht, seit Frankie Knuckles das Zeitliche gesegnet hat. Aber ab und an verirrt sich doch mal ein schicker Track hierher, dafür sorgen dann Hercules And Love Affair oder, wie in diesem Falle, die Gebrüder Lawrence. Die kennt man besser unter ihrem Pseudonym Disclosure, gerade haben die beiden zusammen mit dem Produzenten Friend Within das neue Stück "The Mechanism" vorgelegt. Also dann: Aufstehen, Fenster auf und "Volume Max", here we go...

The Notwist: Für Sammler

Wieder einmal der Record Store Day: Auch The Notwist, gerade mit ihrem Album "Close To The Glass" im Gespräch und morgen Abend im Münchner Circus Krone zu Gast, werden ein Stück extravagantes Vinyl an besagtem Tag für den Sammler bereithalten. Es handelt sich hierbei um eine Remix-12" - darauf enthalten neben dem bisher unbekannten Stück "Magnificent Fall" unter anderem der hier vorgestellte Ada-Remix von "Run Run Run".

Freitag, 11. April 2014

Eels: Bild und Ton

Nur noch wenige Tage, dann kommt das neue Album "The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett" von Eels ins Regal, vorfristig gibt es nun noch einen neuen Song daraus zu hören ("Where I'm From", hier bei Youtube) und obendrauf noch einen Videoclip zum kürzlich schon vorgestellten "Mistakes Of My Youth". Die Konzerttermine des Herrn Everett für den Sommer stehen nun auch schon fest:

21.06.  Linz, Posthof

22.06.  Wien, Konzerthaus
24.06.  Berlin, Tempodrom
22.07.  Hamburg, Laeiszhalle

Johnossi vs. Anna Ternheim: Geht auch leise

Leise Töne ist man vom schwedischen Duo Johnossi ja eher selten bis gar nicht gewöhnt. Nun haben sie sich aber für ein Video, einen Song mit Anna Ternheim zusammengetan und das klingt dann alles andere als laut. "Seventeen" stammt im Übrigen vom Album "Transitions", das im März bei Universal erschienen ist.

Ed Schrader's Music Beat: Aus kurzer Distanz

Das ist fein beobachtet: Die Musik von Ed Schrader und Devlin Rice, zusammen Ed Schrader's Music Beat, wirkt, so die Freunde von Stereogum, als würde einem permanent jemand ins Gesicht schreien. Wir ergänzen: Und zwar aus der Entfernung von ca. einem Meter. Bewaffnet mit nichts mehr als einer Gitarre und einer kleinen Trommel, machen die beiden eine ordentlichen Rabbatz, wer sich das mal genauer anschauen möchte, sollte sich auf der Tour der Future Islands blicken lassen, dort geben Schrader und Rice den Support. Auch zu hören dann wahrscheinlich der neue Titel "Televan", Ende April dann das Album "Party Jail".

Donnerstag, 10. April 2014

Jan Delay: An Rande der Egalität

Jan Delay
„Hammer und Michel“

(Universal)

Was denn, was denn? Nicht so weit her mit dem hiesigen Humorverständnis? Jan Delay, eigentlich als Rap-Pionier, B-Boy und Soulman eingeplant, hat plötzlich erklärt, all das „flasht nicht mehr“, er wolle zukünftig in Rock machen und zwar so richtig. Lederjacke auf’s Cover, alberner Titel dazu, kurz mal reingezappt – das Urteil des königlich feuilletonistischen Plattengerichts ließ nicht lange auf sich warten: Er kann es nicht! Dabei scheint irgendwie verloren gegangen, dass der letzte, der die Proklamationen des Herrn Eisfeldt ernst nimmt der Herr Eisfeldt selber ist. Im rosafarbenen Anzug für’s Promofoto nach Wacken – der Herr winkt nicht mit dem Zaunspfahl, sondern mit der Pommesgabel und platziert den Mittelfinger schon mal vorausschauend auf dem eigenen Album – „Nehm ‘nen großen Schluck Volvic und geb‘ Euch ‘nen kompletten Vollfick!“.

Man muss sich nicht mal anstrengen um zu merken, dass der Versuch in Sachen Rock spaßbedingt nur einer von vielen ist, denn natürlich hat er den Soul und den Funk behalten, natürlich verschwindet das nicht, nur weil die Disko No. 1 um einen Tourmucker von Opa Udo aufgestockt wurde. Er kann ja gar nicht anders, muss irgendwo hin mit seiner „Liebe“ für alles, da kriegt selbst Uli Hoeneß ein Stück von ab, Hippiescheiße, Stromgitarre, Backround mit Schmackes, funktioniert prächtig. Böser Witz klappt auch noch, zum flotten Beat der „Dicken Kinder“ („Gurke auf dem Burger reicht nicht aus für ‘nen wohlgeformten Körper“) ebenso wie zum schnalzenden Orgelsound von „Sie kann nicht tanzen“. Delay läßt sich halt noch ein paar fette Riffs dazupacken, schmeckt einfach besser.

Er war ja schon immer ein großer und begnadeter Vereinfacher im Dienste des Pop, ohne dabei Stil und Haltung aus dem Blick zu verlieren, wer ihn jetzt trotzdem einen Konsensheini schimpft, der vergisst schnell, dass es zu einem guten Song mit Botschaft auch ein paar Leute braucht, die ihn hören wollen. Und wenn er‘s dann auf seine Weise rüberbringt – was sollte daran falsch sein? Gut, über die Sinnsuche im Schweinerockfetzen der „Scorpions-Ballade“ darf man sicher diskutieren und – klar – gab’s auch schon mal originellere Stücke als „Nicht eingeladen“ oder „Action“.

Aber es bleiben eben auch die hübschen Zeilen vom „Nieselregen-Innenleben“ („Hertz 4“) hängen, wo der einsame Schmetterling im Bauch an Depression zugrunde geht. Oder die ungewohnt grüblerischen Momente im Abspann – „Ein Königreich für Effenbergs Gehirn … Ich brenn das Kino bis auf die Mauern runter und schick die Gedanken raus zum spielen“ („Kopfkino“), die Nähe zu Schnodderschnauze Lindenberg ist hier fast mit den Händen zu greifen. Auf dem Weg zu dessen legendärer, egaler Wurstigkeit ist Delay mit knapp vierzig jedenfalls schon eine große Strecke vorangekommen, ob’s am Ende zu einem eigenen Musical reicht, wird man sehen. Beste Unterhaltung hat aber auch schon diese Platte zu bieten. http://www.jan-delay.de/

Zach Braff: Ein paar Jahre später...

Auf dem Weg zum meistgebrauchten Zitat auf diesem Blog wird es das folgende sicher bis ganz nach vorn schaffen: "Dieser Song wird Dein Leben verändern!" Gesagt hat ihn Natalie Portman in Zach Braff's Regiedebüt "Garden State", gemeint war "New Slang" von den Shins. Gut möglich, dass bald noch ein paar gute Sprüche dazukommen, denn Ende Juli läuft in den USA der Nachfolger "Wish I Was Here" mit Kate Hudson und natürlich auch Zach Braff an (finanziert mittels eines Crowdfundig-Projektes) und ein Blick auf den nachfolgenden Trailer beweist, dass in Sachen Drama und Komik einiges zu erwarten ist. Auf dem dazugehörigen Soundtrack werden neben Bon Iver auch noch, klar, die Shins zu hören sein, ebenso auf der Liste steht die angekündigte Kollaboration zwischen Chris Martin und Cat Power.

Mittwoch, 9. April 2014

Antemasque: Super-Super-Top-Top

Besser hätte es der liebe Gott da oben wohl nicht auswürfeln können: Das Bild hat man zumindest im Kopf, wenn man die Nachricht zu hören bekommt, Flea, Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodríguez-López hätten sich für eine neue Band namens Antemasque zusammengetan, ersterer braucht sicher keine gesonderte Vorstellung, auch für die beiden anderen reichen Nennungen wie At The Drive-In und The Mars Volta. Nach den Maßstäben von Bayern-Guru Pep Guardiola ist das nicht nur eine Super-Super-Group, sondern zählt ohne Zweifel schon in die Kategorie Top-Top, selbiges darf man auch von der ersten Single "4AM" behaupten, die schon bei iTunes zum Kauf bereitsteht. Wer mehr braucht, darf sich hier noch einen kleinen Teaser gönnen.

The Afghan Whigs: Das Biest in uns allen

The Afghan Whigs
„Do To The Beast“

(Sub Pop)

Natürlich sind sechszehn Jahre eine lange Zeit. Viele haben da schon mit einer Sache, gern auch einer Band, endgültig abgeschlossen, zu den Akten, ins Archiv, Verklärung inklusive. Es ist also auch für ein so leidenschaftliches Arbeitstier, wie Greg Dulli eines ist, nicht ganz so leicht einzuschätzen, wie sich nach so langer Pause eine Platte der Afghan Whigs in freier Wildbahn macht. Das letzte, was man von der Band aus Cincinatti hörte, war das Album „1965“, ein eigenwilliger Soulrock-Zwitter, die letzten, die man mochte, hießen „Black Love“ und „Congregation“ und wurzelten eher im alternativen Humus des Grunge der frühen Jahre. Man tut „Do To The Beast“ sicher nicht unrecht, wenn man es als eine (recht gelungene) Mischung aus beidem bezeichnet, wobei Soul hier eher mit Leidenschaft und Herzblut denn mit beschwingtem Geschmetter übersetzt werden kann. Es ist Dulli’s Fegefeuerplatte, es lodert und knistert und kracht gewaltig, die Gitarren (es sollen bei den Aufnahmen stets mehr als drei gleichzeitig gewesen sein) jaulen standesgemäß und Dulli treibt seine Stimme dazu in bislang ungewohnte Höhen.

Handwerklich sind  Stücke wie „Parked Outside“, „The Lottery“ oder „Royal Cream“ deshalb mehr als okay, wenn auch nicht gerade innovativ, auffällig wird es immer dann, wenn die Band das gewohnte Schema verlässt. So geschehen bei „Matamoros“, hier gesellen sich zu den funky Hooks ein paar windschiefe Streicher, „Algiers“ darf später den Spaghetti-Western zitieren und die einsame Fahrt ins Vergessen („Ain’t nothing but the stripes“, Can Rova) gerät regelrecht anrührend. Naturgemäß geht es für einen Mann von knapp 50 wie Dulli, der nun auch schon einiges erlebt hat, um die Wirren zwischenmenschlicher Beziehungen, um Verletzungen („It kills to watch you love another“, It Kills) oder simple Altersweisheiten („It’s oh so simple when you know, you’ll know this when it’s time to go…“, Algiers), wenngleich er einem Musikmagazin (s)eine etwas krudere Sicht der Dinge mit Blick auf den Albumtitel eröffnete: „Wir sind alle Tiere. Und wir essen und wir trinken und wir schlafen und wir ficken und wir sterben. … Wir sind alle das Biest.“ Man muss es ja nicht ständig rauslassen. http://theafghanwhigs.com/

02.07.  Berlin, C-Club
12.07.  Rüsselsheim, Phono Pop Festival

Den Komplettstream des Albums gibt es zur Zeit bei NPR.

WinWin: Wer sich bis hierhin durchgekämpft hat und schnell genug ist, kann mit einer kurzen Mail an info@mapambulo.de mit Betreff, Name und Adresse die CD für lau bekommen - first in, first out!

Kim Deal: Besser zusammen

Diese Meldung kann man Dank CoS und Stereogum fast im Originalwortlaut übernehmen: Kim Deal, einstmals als Bassistin bei den Pixies tonangebend und später wegen Egoecken des Bandchefs mit wechselnden Durchlaufposten ersetzt, möchte sich offenbar wieder mehr auf ihre Band The Breeders fokussieren. In einem Interview jedenfalls gab sie bekannt, dass ein neues Album der Band in Reichweite ist - das letzte stammt bekanntlich aus dem Jahr 2008 und trägt den Titel "Mountain Battles", ein Jahr später erschien die EP "Fate To Fatal". Die wichtigste Passage:

"Today we’re working on Josephine’s song and it’s sounding really good. I’ve got a good melody line for it and got some lyrics. So that’s what we’re going to be recording today, one of her songs. Then I’ve got two that have lyrics and a melody line but I don’t like the drum part on one of them. The other one sounds pretty cool. We’ll probably get those three going. And I have other songs. There’s one song that I really like but I don’t think Josephine likes so much, but I really like it."

Für die Wartezeit darf dann gern "The Root", die letzte von zahlreichen Solopressungen, herhalten.

King Krule: King of Cool

King Krule
Atomic Café, München, 8. April 2014
Support: Thidius

Gastspielwoche bei Mapambulo, zweiter Teil. Und wieder dreht sich’s hauptsächlich um die Stimme. Archy Samuel Marshall, genannt King Krule, darf man gewiss als eine Art Antithese zur handelsüblichen Rampensau (vgl. hierzu Teil 1: Jan Delay) betrachten – zwanzig Jahre, blasser Teint, schmale Schultern, scheuer Blick, der Typ also, der auf dem Schulhof immer im Spinnergrüppchen stehen muss, an dem die Hoppla-hier-komm-ich-Welt komplett vorbeiläuft und der von Coolness ungefähr soweit entfernt ist wie Putin von ... – na, lassen wir das. Marshall hat allerdings zwei nicht ganz unbedeutende Fähigkeiten, die seine Person wieder in ein neues Licht rücken – er ist ein erstaunlich begabter Songschreiber und nennt eine Stimme sein eigen, die so ganz und gar nicht zu seinem Erscheinungsbild passen will, rau, tief, voluminös. Und weil er beides auf seinem Debütalbum „6 Foot Beneath The Moon“ zu einer faszinierenden Einheit zu verschmelzen wusste, sind Hörern und Zuschauern plötzlich Äußerlichkeiten piepegal, ist die Platte ein Geheimtipp und der Club an diesem Abend proppevoll.

Und – Überraschung – der schüchterne Junge ist auf der Bühne gar nicht so ein unscheinbares Pflänzchen, er kann laut, er kann krachert und er traut sich sogar für einen Song mit seinem Mikro zu seinen Fans auf die Tanzfläche. Es ist ja sowieso erstaunlich, dass Marshalls jazzig-trippige Mischung aus Clash-Punk, Dubstep und Elektrobeats so weite Kreise gezogen hat, dass er ein Publikum wirklich begeistern kann mit diesem doch eher introvertierten Sound. Vielleicht liegt es aber an der Präsenz, der Unerschrockenheit, mit welcher der fahle Bursche zu Werke geht, seine Mitmusiker antreibt und gekonnt mit den verschiedenen Klang- und Stimmungsbildern seiner Platte jongliert – ungezügelt und wild hier („A Lizard State“, „Easy Easy“), smooth dort („Baby Blue“) und mit lässiger Verspieltheit an wieder anderer Stelle („The Noose Of Jah City“). Man nimmt ihm die Zartheit und den Furor gleichermaßen ab – schlechter scheint er nebenbei auch nicht zu werden, wie der famose Neuling „La Lune“ erkennen läßt. Und das zusammengenommen ist, Kommando zurück, dann doch wieder ziemlich cool.

Little Dragon: Fröhlich sein und singen

Namen, Cover, hier stimmt einen alles irgendwie fröhlich: Die Synthpopper Little Dragon aus Schweden werden ja im Mai bekanntlich ihr Album "Nabuma Rubberband" unter die Leute bringen und die erste Single "Klapp, Klapp" war ja schon ein Hinhörer. Nun ist mit "Paris" auch der zweite im Netz gelandet, Cover - ach, was sag ich, anschauen, anhören,...

Dienstag, 8. April 2014

Klaxons: Kleinteilig

Mmmhh, sehr schlicht. Die Klaxons haben den Entwurf für das Cover ihrer neuen Platte "Love Frequency" vorgestellt, das Anfang Juni erscheinen soll. Von der Platte, an der neben Tom Rowlands von den Chemical Brothers und Erol Alkan auch olle James Murphy mitgewirkte, haben ja schon zwei Songs ans Tageslicht gefunden, nun kommt mit "Atom To Atom" der dritte hinzu. Und, was soll man sagen - bester Boygrouppsychpop!