Sonntag, 21. Dezember 2014

Madonna: Naja

Ganz ehrlich, wer hat nicht in den letzten Tagen mal in seiner Cloud vorbeigeschaut, ob da nicht die neue Madonna, namentlich "Rebel Heart", für lau zu finden sei? Fehlanzeige, für Mdme. Ciccone sind Streams und Leaks (siehe unten) bekanntlich Teufelszeug, Terrorismus gar, wie zu lesen war. Trotzdem hat sie der Verschwiegenheit ihrer eigenen Entourage (aus gutem Grund) wohl nicht getraut und entschloß sich flux, die ersten sechs Songs des Albums via iTunes anzubieten, wer eine  Spotify-Zugang sein eigen nennt, darf auch dort schon mal reinhören. Allen anderen bleibt YouTube oder ein ähnliches Portal, um herauszufinden, dass gerade mal die knappe Hälfte der ersten Lieferung halbwegs interessant sind - also "Illuminati", "Bitch, I'm Madonna (Feat. Nicki Minaj)" und vielleicht noch "Ghosttown". Und auch die nur bei ersten Durchlauf. Schade, aber irgendwie auch erwartbar ...

Freitag, 19. Dezember 2014

MPMBL Live Best 2014: Besser vor Ort

Musik vom Hörensagen ist nett, aber eben nur ein Bruchteil dessen, was sie ausmachen kann. Besser also, man ist vor Ort und überzeugt sich selbst. Das kann ernüchternd sein, aber auch überwältigend. Und man kommt in den knapp zwei, drei Stunden an die einfachsten Wahrheiten. 2014 hießen die: The Notwist sind die Magischsten, Jan Delay und Disco No. 1 türlich die Geilsten, die Swans noch immer die Lautesten, Future Islands die Verausgabtesten und Sharon Jones ist zweifellos die Verdiensteste - die Top Five der Livekonzerte, garniert mit Reviews und Mitschnitten (leider nicht vom  jeweiligen Ereignis selbst).

1  The Notwist - Circus Maximus



2  Jan Delay - Macht was gegen häßlich



3  Swans - Das freundliche Grollen des Donnergottes



4  Future Islands - Pop und Pose



5  Sharon Jones And The Dap-Kings - Up and Out

Marilyn Manson: Verläßlich

Marilyn Manson macht die Mutti? Weit davon entfernt - trotz Raute reverse. Strange und spooky kann er natürlich trotzdem, auch im neuen Video von Bart Hess zum Song "Deep Six", den es gerade bei Vevo zu sehen gibt. Das Album "The Pale Emperor" (Cover unten) folgt dann im kommenden Jahr.

TV On The Radio: Move ya!

Wären es nur die Moves - halboriginell. Aber TV On The Radio spielen samt Moshpit an einer Skater-Bowl und das macht, wie man sieht, mächtig Laune. Der Clip zur Single "Laserray" stammt von Atiba Jefferson, Fotograf und Mitbegründer des amerikanischen Independent-Magazins The Skateboard Mag, und der nerdige Auskenner wird die Gesichter von Szenegrößen wie Eric Koston, Lance Mountain, Sean Malto und Andrew Reynolds wiedererkennen - der Clip findet sich u.a. bei Complex.com. Also dann - Stöpsel raus und ab dafür!


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Silk Rhodes: Der Seele ein verrücktes Lächeln

Silk Rhodes
„Silk Rhodes“

(Stones Throw)

Und schon wieder eine Platte, die im Schatten des allgegenwärtigen Weihnachtsgebimmels komplett unterzugehen droht, schon wieder auch: Soul – Neo, Retro, whatever. Die Lobby allerdings (ganz im Gegensatz zum verfrühten Auftritt von Superstar D’Angelo), die sich hinter dem Weirdo-Duo Silk Rhodes aus Baltimore versammelt, ist weitaus überschaubarer. Ein rühriges Label und eine unermüdliche Fancrowd brachte das ans Tageslicht, was der Legende nach von Michael Collins und Sasha Desree in einem zum Tonstudio umgebauten Honda CRV in zahlreichen Sessions ‚on the road‘ aufgenommen worden ist – geloopte Stimmen und Töne von all jenen, die gerade ihren Kopf zur Tür herein steckten und dabeisein wollten bei dem Spektakel. Herausgekommen ist dabei tatsächlich Soul (und nicht nur eine Anspielung darauf), der Soul zweier weißer Männer, die ihn bis auf das Nötigste entkernt haben und der dennoch prächtig wippt und federt. Und das trotz all der elektronischen Gerätschaften, die man dem skizzenhaften Dutzend natürlich anhört (und anhören darf) und das nur zur Hälfte vom warmen Falsett Desrees begleitet wird. Da wäre ein zart schmelzendes „Pains“ und der zwingende Vibe von „Face 2 Face“, später die Vermutung, für „This Painted World“ und „Hold Me Down“ hätten selbst Sly Stone und Al Green durch die offenen Scheiben des alten Geländewagens hereingegrüßt. Soul, Funk, RnB, alles minimal arrangiert, aber von erstaunlicher Wirkung, selbst das derbe auf House gebürstete „Personal Use“ fängt sich zum Ende hin wieder. Überraschende Kleinkunst von zwei Typen, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen, wohl aber die Seele ihrer Musik.

Das Album bei Bandcamp im Stream - hier.

Wild Beasts: Pfeif(en)konzert

Ein Mann und siebentausendachthundertsechsundsechzig Pfeifen - nein, wir reden hier nicht vom Treffen der FIFA-Spitzenfunktionäre anläßlich der Club-WM in Marrakesch (auch wenn man der Oberpfeife Blatter gern mal wieder richtig eine mitgeben würde). Der Mann, um den es hier geht, heißt Tom Fleming und ist im Hauptberuf Keyboarder der englischen Synthpopband Wild Beasts. Die Pfeifen wiederum gehören zur gewaltigen Orgel der Firma Harrison and Harrison, die Mitte die 50er für die Royal Festival Hall in London gebaut wurde. An genau jener nämlich durfte Fleming kürzlich für eine Neuaufnahme des Songs "Wanderlust" Platz nehmen - die Wild Beasts haben ja bekanntlich einen Hang zu außergewöhnlichen Präsentationen, diese hier fand zwar ohne Publikum statt, wurde aber für Philips/Noisey aufgezeichnet und nicht nur Fleming hatte großen Spaß daran.

John Carpenter: Der Klang des Grauens

Nun, so ganz genau weiß man noch nicht, was von der Nachricht zu halten ist. Aber schließlich hat man vor Jahren auch David Lynch, einem anderen großen Mann des Kinos, eine Chance gegeben und ist keinesfalls enttäuscht worden. Ende Januar 2015 jedenfalls soll John Carpenter, Regisseur von Filmen wie "Halloween", "They Live", "Die Klapperschlange" und "Nebel des Grauens", sein musikalisches Debüt "Lost Themes" bei Sacred Bones veröffentlichen. Was etwas verwunderlich klingt, hat er doch schon zu zahlreichen seiner Erfolge die Scores selbst komponiert und eingespielt. Sei's drum - was uns dabei erwartet, ist ungewiß, über Kollaborationen und Ähnliches wurde noch nichts bekannt - einzig die erste Auskopplung namens "Vortex", eine dunkle, TRON-hafte Klangkulisse, ist vorab im Stream zu hören. Auf der Seite des Labels gibt es zum Sound derzeit auch noch ein paar allseits bekannte Filmausschnitte zu sehen.

St. Vincent: Frei Haus für Sitzenbleiber

Tja, Chance gehabt - jetzt bleiben nur noch Tulsa, Sydney, Brisbane, Singapore, Melbourne, Osaka oder Koutou-Ku. Das nämlich sind die nächsten Stationen der laufenden Tournee von St. Vincent, die es ja eigentlich nicht nötig hätte, ein so feines Album wie ihr aktuelles noch zu promoten. Macht sie aber trotzdem, erfreulicherweise für uns Stubenhocker auch noch mit einem aktuellen Videoclip zum Song "Birth In Reverse" - hier bei Vevo.

Emily Haines: Girl Power

Man kann wirklich nicht behaupten, dass Emily Haines in den letzten Jahren an Unterbeschäftigung gelitten hätte: Die Arbeit mit ihrer Band Metric ließ ihr immerhin noch genügend Zeit, sich um zwei Soloalben ("Cut In Half And Also Double"/"The Knife Don't Have Your Back") und eine beachtliche Zahl an Gastauftritten zu kümmern (u.a. Julian Plenti, Broken Social Scene, Stars, The Stills, MSTRKRFT, etc.). Weniger bekannt dagegen ist ihr Engagement für das Charity-Projekt FLEET4HearMe, eine Zusammenarbeit des Schmuckherstellers Fleet Jewelery (Kampagnenbild oben) mit der Organisation HearMe, die sich für die Möglichkeit stark macht, Kindern an öffentlichen Schulen Zugang zu Musikunterricht zu ermöglichen. Aus einer ähnlichen Intention heraus ist wohl auch Haines' neuerliche Aktion mit der amerikanischen Spielzeugserie Goldie Blox entstanden - im Video zu ihrem aktuellen Song "Lightning Strikes", nebenbei ein verteufelt eingängiges Stück Pop - singt sie zu hübschen Girlpower-Cartoons, nicht schwer zu erraten also, um welches Anliegen es der gebürtigen Kanadierin diesmal geht.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

The Wombats: Back again

Und noch eine Neuerscheinung, für die jetzt schon mal vorgeplant werden darf: The Wombats aus Liverpool haben Album Nummer drei im Kasten, "Glitterbug" werden sie es nennen und auch wenn es noch kein aktuelles Tonmaterial davon gibt, haben die drei Jungs vorsorglich schon mal ein paar Livetermine zum mitschreiben dabei:

18.03.  Frankfurt, Batschkapp
19.03.  Bremen, Aladin
25.03.  Hamburg, Große Freiheit
26.03.  Berlin, Astra
27.03.  München, Tonhalle
29.03.  Stuttgart, LKA Longhorn
30.03.  Köln, E-Werk
31.03.  Zürich, Xtra
05.04.  Wien, Arena

Laura Marling: Kurzfilm

Laura Marling, Englands zur Zeit fragilster und zugleich erfolgreichster Export in Sachen Folkpop, hat die Veröffentlichung ihres mittlerweile fünften Albums für Mitte März 2015 angekündigt. "Short Film" wird es heißen und zur Begleitband sollen auch wieder Tom Hobden, Violinist und Keyboarder bei Noah And The Whale und die Cellistin Ruth De Turberville gehören. Den Titeltrack kann man sich schon heute zusammen mit einem kleinen Zeichentrick anhören bzw. -sehen.


Laura Marling - Short Movie from Art&Graft on Vimeo.

D'Angelo: The time is always right...

D’Angelo And The Vanguard
„Black Messiah“
(RCA)

Na toll. Die Jahreslisten über kurz und lang sind gemacht und dann kommt zu einem Zeitpunkt, wo man sich gemeinhin nur noch mit dem wiedergekäuten Süßstoff der Weihnachtsindustrie herumärgern muss, dieses tatsächlich herausragende Album daher und wirft alle Polls und Rückblicke einfach über den Haufen. Nun gut, man muss jetzt nicht in hysterische Hektik verfallen, sondern tut besser so, als wäre D’Angelos drittes Album für Mitte Januar 2015 geplant – was ja auch stimmt. Nur hat der traurige Lauf der Dinge im Mittleren Westen Amerikas, namentlich die Erschießung des achtzehnjährigen Michael Brown in Ferguson und der darauf folgende Freispruch des Todesschützen, Michael Archer wie viele andere derart aufgewühlt, dass er sich – auch zur Überraschung seines eigenen Labels – dazu entschloss, die Platte mittels mehrerer Nachschichten vorfristig fertigzustellen und quasi als Statement (auch als optisches) schon jetzt zu verkaufen. “The one way I do speak out is through music,” soll D’Angelo seinem Manager gesagt haben, “I want to speak out.”

Und läßt man jetzt mal alle Nebengeräusche und meinetwegen auch das wirtschaftliche Kalkül beiseite, dann wird recht schnell klar, dass dieses Album, ganze vierzehn Jahre nach dem Grammy-Gewinner “Voodoo”, hätte erscheinen können wann es wollte – jeder Zeitpunkt wäre für Songs dieser Klasse der richtige gewesen. Das beginnt mit der Auswahl eines formidablen Kreises an Studiomusikern, neben D’Angelos Begleitband The Vanguard zeichnen auch noch A Tribe Called Quest’s Q-Tip, The-Roots-Drummer Questlove, Kendra Foster aus George Clintons Funk-AG Parliament-Funkadelic und Bassist Pino Palladino im Impressum verantwortlich. Sie alle und Ausnahme-Soulist D’Angelo erschaffen über die zwölf Stücke einen schwarzen Messisas, der weit organischer, menschlicher und auch dringlicher daherkommt als das hochgezüchtete Hologramm des „Black Yeezus“ von Kanye West.

Es ist nicht nur allerfeinster (Neo-)Soul, der einen hier in den Bann zieht, der mal an den Philli-Sound der Delfonics und an anderer Stelle an den Prince früher Tage denken läßt. Archer bringt eine Vielschichtigkeit in die Songs, die einen desöfteren staunen macht. Wie nach dem klassischen Intro „It Ain’t Easy“ das gewaltig wummernde Drone-Stück „1000 Deaths“ hereinbricht und trotz seiner Wucht klug verzwirbelten Jazztunes die Ehre erweist, später gefolgt vom grandiosen Pluckerbeat des „Sugah Daddy“ (nahe bei Gil Scott-Heron und Richard Russell), bevor kurz darauf zarte Streicher und lateinamerikanische Saitenklänge „Really Love“ einleiten – das ist schon irre gut gemacht. Dazu die zahlreichen Gitarrensoli, gekonnt platziertes Bläserblech („Betray My Heart“) und Handclaps, die wie Peitschenhiebe schnalzen („Prayer“), des Erstaunlichen ließe sich vieles mehr aufzählen. Ganz zum Schluss bei „Another Life“ geht Archer mit seinem Falsett derart himmelwärts, dass einem fast die Luft wegbleibt. So borgt man sich die Schlußpointe nicht bei den Decemberists („The Wrong Year“), sondern besser bei Martin Luther King: „The time is always right to do what's right.”

Montag, 15. Dezember 2014

Wild Beasts: Mehr als ein Comicstrip

Nicht weniger ausgefallen präsentieren sich die englischen Synthpopper Wild Beasts: Als Auftragsarbeit des irischen Whiskey-Herstellers Jameson kreierte das Quartett, das in diesem Jahr mit "Present Tense" bereits das vierte Album vorlegte, zusammen mit dem Pariser Künstler Mattis Dovier eine musikalisch untermalte und animierte Grafic Novel. Für diese steuerte die Band zwei neue Stücke bei - "Soft Future" und "Blood Knowledge" kann man sich bei Soundcloud anhören, das Gesamtwerk selbst steht bei www.wildbeasts.thejamesonworks.com zur Ansicht.

The Notwist: Sammelsurium

Einigermaßen überraschend gelangt man dieser Tage an neue Töne der Weilheimer Band The Notwist. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit dem Label Alientransistor gab es seit 2003 eine Reihe verschiedenster Veröffentlichungen, neben Single- oder EP-Pressungen erschien dort u.a. auch die DVD "Music No Music", die gemeinsam mit Filmemacher Jörg Adolph entstand und die Tour und das MakingOf des 2008er Albums "The Devil, You+Me" sowie die Arbeit einer weiteren Band (Andromeda Mega Express Orchestra) dokumentiert. Das neueste Werk nennt sich "The Messier Objects" und enthält eine Reihe von Instrumentalstücken, die während der Aufnahmen des aktuellen Album "Close To The Class" entstanden sind - dank Clash gibt es den Titel "Object 06" hier in ganzer Länge, den Rest kann man sich auf der Labelsite in Ausschnitten anhören. Offizieller VÖ-Termin für das Album ist im Übrigen Anfang Februar.

Modest Mouse: Fast humorlos

Das soll an dieser Stelle noch einmal gesagt werden: Modest Mouse sind nicht nur die bekannteste Indierockband aus Issaquah, Washington, sie sind auch die ungekrönten Könige des Albumtitels. Wir erinnern uns: "This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About", "Good News For People Who Love Bad News" und "We Were Dead Before The Ship Even Sank" - allesamt Platten der Formation um Sänger Isaac Brock. Dagegen nimmt sich das neue Album, welches im März kommenden Jahres erscheinen soll, recht harm-, ja richtiggehend humorlos aus - "Strangers To Ourselves", naja. Wenigstens die erste Single (Artwork oben) hat einen leicht schrägen Klang, "Lampshades On Fire" (was irgendwie nicht weit weg ist von Jarmusch's "Night On Earth" und Helmet/Lampshade/etc.) kann man sich in einer Live-Version schon mal im Stream anhören.

Panda Bear: Komische Pflanze

Anfang Januar solle es kommen, das neue Album "Panda Bear Meets The Grim Reaper" von Noah Benjamin Lennox bka. Panda Bear, nun gibt es zur zweiten Vorauskopplung "Boys Latin" ein hübsch buntes Animationsvideo aus dem Hause Encyclopedia Pictura (Isaiah Saxon/Sean Hellfritsch) zu sehen. 

Charli XCX: Schold bald ein Klassiker

Charly XCX
„Sucker“
(Asylum Records)

Das ist sicher jedem schon mal aufgefallen: Keiner hat wirklich Lust darauf, sich seinen Jahrgang madig machen zu lassen und so läßt sich die folgende Argumentationslinie beliebig variieren und fortsetzen. Beispiel: Als die New Kids On The Block auf dem Schirm auftauchten, galten sie nach dem atomaren Erstschlag und der Schweinepest als das drittgrößte Übel der Generation 1984. Schon drei Jahre später allerdings mussten sie als originäres Boybandwunder herhalten für alle, die sich von Leichtgewichten wie Bros einlullen ließen. Diese wiederum erwiesen sich gegenüber Take That zu Beginn der 90er noch als okay und halbwegs geschmackvoll, bevor die Jungs um Gary, Mark und Robbie gegenüber Boyzone als nächste Entschuldigung herhalten mussten – weiter mit Westlife (98), US5 (05), One Direction (10) und, und, und … Auch Charlotte Aitchison aka. Charli XCX läßt sich mühelos in eine solche Besserwisserkette einbauen, die irgendwo bei einer gewissen Sabrina Ende der 80er beginnt und später die Namen Spears, Aguilera, Lavigne, Perry aufgefädelt bekommt – heute allesamt schon wieder begnadete Klassiker. Was Aitchison auf „Sucker“ zu Gehör bringt, ist also keinesfalls neu – bunter und maßvoll provokanter Parolenpop der unterhalterhaltsamen Sorte. „I don’t wanna go to school, I just wanna break the rules…“, es wird schnell klar, für wen hier die Großraumdisko gefüttert wird. Muß man das ernst nehmen? Nicht unbedingt. Kann man das mögen? Durchaus. Schließlich arbeitet die zweiundzwanzigjährige Britin, Tochter eines Schotten und einer Inderin, die ihren größten Hit („I Love It“) dummerweise nicht einmal selbst singen sollte, gekonnt mit einer ansprechenden Palette verschiedener Stile. Zu knorrigen Gitarrenriffs gibt’s bei „London Queen“ den passenden „Oi!Oi!Oi!“-Chorus, „Breaking Up“ kommt mit rotzigem College-Rock und „Boom Clap“ als satter und äußerst eingängiger Bassbumper daher. Schon klar, zu Zeilen wie „I don’t need you, my touch is better“ („Body Of My Own”) gab es in diesem Jahr von BANKS und FKAtwigs schon Subtileres, wirklich wichtig ist das aber nicht. Auch wenn’s mit zunehmender Spieldauer etwas eintönig wird – zeitgemäßer kann massenkompatibler Dancepop dieser Tage kaum klingen. Und über den wahren Wert der Platte wird, siehe oben, ohnehin erst der nächste Jahrgang entscheiden…

26.02.  Wien, Stadthalle
01.03.  Zürich, Hallenstadion
02.03.  München. Olympiahalle
05.03.  Köln, Lanxess Arena
12.03.  Hamburg, O2-World
13.03.  Berlin, O2-World

Sonntag, 14. Dezember 2014

Leon Bridges: Für die Zukunft

Von einem ungeschliffenen Diamant zu sprechen wäre hier irgendwie nicht passend, klingt die Musik von Leon Bridges doch schon erstaunlich ausgefeilt und reif: Gerade für die Tour von Sharon Van Etten gebucht, schickt sich der Junge aus Fort Worth, Texas an, in Sachen Soul und Blues der Shooting Star des kommenden Jahres zu werden. Ganze zwei Stücke kursieren von ihm zur Zeit im Netz, aber "Coming Home" und "Better Man" sollten alle Zweifler überzeugen können - man wird von ihm hören, soviel ist sicher.

Night Beds: Genug der Einsamkeit

Da hat sich doch etwas geändert: Um Winston Yellen und sein Einmannprojekt Night Beds war es seit dem famosen Debütalbum "Country Sleep" (das er ja bekanntlich in Johnny Cash's einsamer Waldhütte bei Nashville geschrieben haben soll) wieder recht ruhig geworden - nun kommt der junge Mann mit einer neuen Single und deren Sound ist um einiges elektronischer als die folkigen Stücke der letzten Platte. "Me, Liquor And God" heißt der Neuling, dem dann recht bald ein kompletter Longplayer folgen soll.

Freitag, 12. Dezember 2014

The Soft Moon: RTMT

Vier Großbuchstaben, die mal ein Zitat waren und dann zu einem Song wurden: Ein Journalist hat mal über die New Yorker No-Wave-Band Mars despektierlich gemeint, sie seinen nicht mehr als "arty and empty" - das hat denen so gut gefallen, dass sie schnell ein Stück danach benannten - deshalb die Initialen. Irgendwie passt das auch zur Musik von Luis Vasquez. Unter dem Moniker The Soft Moon verfertigt der Mann aus Oakland, Kalifornien seit ein paar Jahren tiefdüstere, verstörende Klänge aus dem Tiefkühlregal. Auf das gleichnamige Debüt und die zweite LP "Zeros" folgt nun via Captured Tracks Ende März Platte Nummer drei "Deeper" - die Vorauskopplung "Black" färbt die Stimmung schon mal vorfrostig - äh, -fristig ein...