Freitag, 31. Oktober 2014

No Jaws: Gut geklaut

No Jaws
„Young Blood“

(Modern Guilt/Numavi)

Für die Überschrift muss man sich natürlich gleich wieder bei den Jungs aus Zwickau entschuldigen – Form follows Pointe. Trotzdem die Frage: Ist es schlimm, dass einen die Vorbilder der No Jaws (formerly known als The Buyable Sluts Wanted For Stealing Virginity) spätestens beim zweiten Song “Real Oh One” so dermaßen anspringen, dass man gar nicht mehr auskommt? Ja/Nein/Vielleicht. Besser gegenfragen: Ist Musik, unabhängig von Stil und Genre, ohne Referenzbezug heute überhaupt noch möglich? Kann, wenn klug und geschickt gewählt wird, nicht gerade das auch eine Bereicherung sein? Und sollte man zu guter Letzt nicht eher freuen, dass Marcus und Martin Wellnhofer gemeinsam mit Sami Chahrour offenkundig die Liebe zum Sound von Sonic Youth und den Stooges teilen? Man hätte es mit Sicherheit schlimmer erwischen können. So nämlich ist diese Platte, produziert im Übrigen von Patrick Pulsinger, eine mehr als brauchbare geworden – reichlich Feedbackgetöse, Gitarrengeschmirgel und dazu federleichte Melodien im doppelten Dutzend. Gerade Thurston Moore und Kim Gordon haben es zu Lebzeiten ihrer Band auf einzigartige Weise verstanden, den ohrenbetäubenden Lärm und den schönen Klang miteinander zu verbinden, aus den ineinander verschränkten Noisekaskaden erhob sich stets zur richtigen Zeit ein geordnetes, zauberhaft verwobenes Soundgebilde, immer noch laut, aber eben auch verteufelt eingängig. Gleiches gelingt in den besten Momenten auch dem Trio aus Sachsen – auch sie meistern das Brachiale wie das Zarte, garnieren es, ganz wie die Großen, mit eingestreuten Rezitativen oder poltern bei “Grashopper” und “Loyal to Disillusion” wie Iggy und Kollegen schnell und dirty nach vorn. Gerade das Schlußpärchen “So It Begins/Phalanx” bringt das Können der drei auf den Punkt, viel besser kann man vermeintliche Gegensätze nicht zusammenbringen. Wer so gut klaut, den darf man ruhig mal Meisterdieb nennen – negativ ist das hier ganz gewiss nicht gemeint. http://www.no-jaws.com/

13.11.  Dresden, Ostpol
14.11.  Chemnitz, Aaltra
15.11.  Zwickau, Mocca Bar

WinWin: Für fleißige Zuendeleser gibt's an dieser Stelle wieder die Möglichkeit, das Album am VÖ-Tag für lau zu bekommen - die schnellste Mail an info@mapambulo.de mit Betreff, Name und Adresse macht den Deal.

Electronic Beats: Ganz egal

Ein LineUp, dass man ohne rotzuwerden weiterempfehlen kann, auch wenn es vom Klingeltonkonzern gesponsert wird: Auf dem diesjährigen Electronic-Beats-Festival im Leipziger Täubchenthal werden am Freitag, den 21. November, neben Asbjørn und Shura auch die englischen Wild Beasts und Warpaint aus Los Angeles spielen. Letztere bringt man zwar nicht gleich mit dem Tagesthema in Verbindung, die vier Mädels haben aber zu Beginn dieses Jahres eine so wundervolle Platte veröffentlicht, dass der Besuch - elektronisch hin oder her - in jedem Falle lohnt.

Wer ganz fix ist und an info@mapambulo eine Mail mit Betreff, Name und Adresse schreibt, der kann auch gleich noch zwei Tickets zum Abend abfassen...


Kinky Friedman: Hail to the Kinkster

Unwichtigste Meldung des Tages: U2 überlegen laut Bassist Adam Clayton allen Ernstes, ob sie auf ihrer Konzerttour 2015 in jeder Stadt, in der sie gastieren, zwei Gigs spielen wollen - ein "explosive rock’n’roll kind of event" und am anderen Tag "acoustic arrangements of some of the songs ... in a much more intimate way". Frage - muss man da hin gehen? Oder hat Apple schon ein Programm gezimmert, das solchen Quatsch grundsätzlich unterbindet?

Wichtigste Meldung des Tages: Kinky Friedman, amerikanischer Countrymusiker und genialer Autor solch großartiger Romane wie "Greenwich Killing Time", "Elvis, Jesus And Coca-Cola" und "God Bless John Wayne", wird mit dem heutigen Tag siebzig Jahre alt. Gefeiert wird höchstwahrscheinlich zusammen mit Buddy Steven Rambam stilecht mit einem Stierhorn voller Jameson-Whiskey im Loft der Vandam-Street, Brooklyn, die Zigarre im losen Mundwerk und eine Katze auf dem Schoss. Wer die aufgeführten Werke noch nicht gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen, auch das Songbook von Friedman ist unbedingt zu empfehlen - bestes Beispiel "They Ain't Making Jews Like Jesus Anymore"...

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Hey Elbow: Besondere Verbindung

Was da so frisch aus den Boxen böllert, stammt von der schwedischen Band Hey Elbow. "Shoegazing!" ruft Herr Neunmalklug und liegt damit ganz richtig - Julia Ringdahl, Ellen Patterson und Liam Amner hatten allerdings mit ihrer ersten Single "Blanca" noch eine ganz andere Fährte gelegt, da ging es noch um majestätische Schwermut á la Cocteau Twins. Nun also eher Wall Of Popsound und die hat einen Namen. Und weil "Martin", soviel darf verraten werden, mit dem Blognamen in sehr engem Zusammenhang steht, muss das Stück hier hin.

I Love You But I've Chosen Darkness: Aufgetaucht

I Love You But I’ve Chosen Darkness
“Dust”

(Secretly Canadian)

Wirklich zu rechnen war mit dieser Platte nicht mehr. Acht Jahre sind seit dem Debüt „Fear Is On Our Side“ vergangen, die Formation aus Austin nahm damals an einer Art Massenstart im großen Rennen um die Krone des wiedererstarkten Waverocks teil – allein, viele Mitstreiter von damals sind bis heute auf der Strecke geblieben und mit Interpol, den Editors und iLikeTrains kann man die letzten Vertreter des Genres an einer Hand abzählen. Gevatter Trend ist mittlerweile auch ein Häuschen weitergezogen und macht jetzt in R’n’B, nicht die besten Voraussetzungen also für ein Comeback. Oder doch? Vielleicht ist ja gerade das ein Vorteil, dass sich eine Band, die einige gute Kritiken und sonst viel Häme für ihren Namen einsammeln durfte, als ausdauernd erwiesen hat und nun doch noch nahezu unbeobachtet das zweite Album vorlegt. Steherqualitäten nennt man das und die sind heute selten genug. Sie scheinen also mit ihren zehn neuen Stücken ein bisschen aus der Zeit zu fallen, selbst die Tonangeber Interpol versuchen seit geraumer Zeit, das einst so düstere Image mit einer Prise Funk und Soul aufzupolieren. Nicht so unsere Texaner, die erste Single „Faust“ klingt so, als hätten sie sich gleich nach Ablieferung ihres bislang erfolgreichsten Songs „According To Plan“ ins Jahr 2014 beamen lassen: Treibende Gitarrenakkorde, wuchtige Drums, vernebelte Stimmen, alles wie gehabt. Auch „Come Undone“ und „Walk Out“ sind nach diesem Schnittmuster gebastelt, dazwischen allerlei Episches, Gemächliches und jede Menge Pathos, da wabern Soundteppiche und hallen die Stimmen. Für „69th Street Bridge“ haben sich die fünf für ein standesgemäßes Synththema von Joy Division entschieden – Parallelen höchst willkommen. Ein wenig mehr Biss hätte über die komplette Spiellänge sicher nicht geschadet, trotzdem: Ordentliche Arbeit. http://www.chosendarkness.com/

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Daniel Radcliffe vs. Blackalicious: Give me an A...

Muss man noch ein Wort über Jimmy Fallon und seine Latenight-Show verlieren? Ja. Und zwar immer wieder auf's Neue! Gerade erst haben wir etwas über Stingtones lernen dürfen, da überrascht einen der gar nicht mehr so stupsnäsige Daniel Radcliffe aka. Harry Potter mit seiner zweiten Passion neben Herumzaubern und Besenreiten: Er rappt. Und zwar gar nicht so schlecht. Für Fallon nämlich legt er einen fehlerfreien Parforceritt mit Blackalicious' "Alphabet Aerobics" hin - klar, awesome.

Kitty, Daisy And Lewis: Hello, Goodbye!

Eine lange Pause kommt zu einem Ende - ob es ein gutes oder ein weniger gutes genommen hat, wissen wir Mitte Januar des kommenden Jahres. Dann nämlich wird "The Third", das, nun ja, dritte Album von Kitty, Daisy And Lewis erscheinen. Drei Jahre sind seit dem grandiosen "Smoking In Heaven" vergangen, die Geschwister Durham waren fleißig und deshalb wird es nächstes Jahr auch eine ausgedehnte Tour geben - mit dabei die aktuelle Single "Baby Bye Bye".

22.02.  Hamburg, Große Freiheit 36
24.02.  Berlin, Columbiahalle
27.02.  Wiesbaden, Schlachthof
28.02.  München, Muffathalle
01.03.  Wien, Flex
05.03.  Zürich, Plaza
12.03.  Köln, E-Werk

FKA twigs: Dead man walking

Mit freundlichen Grüßen an's amerikanische Rechtssystem: FKA twigs liefert im Videoclip zum Song "Video Girl" (Regie: Kahlil Joseph) schmerzhaft eindrückliche Bilder einer standesgemäßen Hinrichtung inklusive beeindruckender Tanzperformance und gruseliger Tagträume. Der Song ist im Übrigen schon etwas älter und stammt von ihrer ersten EP (LP1), der Film wurde jetzt nachträglich fertiggestellt.


Sleaford Mods: Bilderstürmer

Die einen abonnieren sich den Newsletter von Tchibo, andere lassen sich lieber auf den Twitter-Account der Sleaford Mods setzen. Was man da zu lesen bekommt, ist äußerst unterhaltsam und in der Regel auch ziemlich nachvollziehbar. Kostprobe? Bitte: "I wouldn't support the Palma Violets if you'd kidnapped my fuckin family", oder "If you don't like it you can always fuck off. Easy" oder auch das "Might download U2's latest slab of shite. Bet ya I like some of it and I bet ya I listen to various tracks when I've had a drink. Mugged." Einfache Wahrheiten also. Gerade haben die beiden charmanten Jungs aus Nottingham ihr Video zur neuen Single "Tiswas" via Noisey ins Netz gestellt - Bildersturm, großartig. Der Titel entstammt im Übrigen einer britischen TV-Serie aus den 70/80er Jahren "This Is Saturday Watch And Smile"...

Dienstag, 28. Oktober 2014

Trümmer: Sanfte Revoluzzer auf Reisen

Die sind so gut, da darf man auch noch mal nachempfehlen: Trümmer aus Hamburg starten übermorgen ihre große Tour durch Deutschland und im Gepäck haben sie natürlich ihr grandioses Debüt und die neue Single "Scheinbar".

30.10.  Berlin, Cassiopeia
31.10.  Leipzig, Täubchenthal
01.11.  Hannover, Lux
02.11.  Darmstadt - Goldene Krone
03.11.  Nürnberg, Stereo
04.11.  Wien, Rhiz
05.11.  Würzburg, Café Cairo
06.11.  Heidelberg, Häll
07.11.  Köln, King Georg
08.11.  Essen, Hotel Shanghai
09.11.  Hamburg, Molotow
27.11.  Bayreuth, Glashaus
28.11.  Stuttgart, Zwölfzehn

José González: Entweder oder?

Ganz so klar ist die Sache dann doch nicht: Nach acht Jahren wird José González sein nächstes Album "Vestiges And Claws" veröffentlichen, im Februar 2015 kommt der Nachfolger von "In Our Nature" heraus und eigentlich sollte das ein Grund zur Freude sein. Der Schwede hat allerdings kürzlich auf dem Soundtrack zu "The Secret Life Of Walter Mitty" allzusehr seinem neuen Hang zum Breitwandpop gefröhnt, da war nicht mehr viel von der gezupften Feinfühligkeit zu hören. Was wird's also werden: Ein neues "Verneer"? Also "Heartbeats" wie unten, das bekannte Cover von The Knife? Oder müssen wir uns eher an anderes gewöhnen? Wenn's nach den ersten Tönen der Website geht, muss einem aber vielleicht nicht bange sein...

Belle And Sebastian: Tanzalarm!

Ha! Zur Nachricht vom neuen Album kommt endlich auch Hörbares dazu: Mitte Januar 2015 wird die neue Platte von Belle And Sebastian "Girls In Peacetime Want To Dance" erscheinen - mit "The Party Line" schunkelt und hüpft nun der erste Vorbote durch die Kulisse. Und das darf  man wirklich wörtlich nehmen... Livetermine gibt es ebenfalls reichlich, nur für Deutschland ist noch nix geplant.

Montag, 27. Oktober 2014

Marilyn Manson: Am dritten Tag

Huhhh - "Fürst der harten Schauer-Romantik", ja "Dunkel-Maler" (!?) hat ihn gerade das berühmt berüchtigte Gothik-Fachmagazin Focus genannt, dennoch darf man auch diese Platte erwähnen: Marilyn Manson hat laut DIY für das Frühjahr 2015 ein neues Album angekündigt - "Third Day Of a Seven Day Binge" ist ein Song daraus und wem das Stück gefällt, der kann es sich hier herunterladen.

John Cale: Hallelujah

Wer wenn nicht er: John Cale hat auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tod seines Freundes und Bandkollegen Lou Reed zum Gedenken seinen Song "If You Were Still Around" vom 1982er Album "Music For A New Society" neu aufgenommen und veröffentlicht, das Video dazu stammt von Abigail Portner.


Fugazi: First things first

Vor ein paar Monaten noch ungewiß, jetzt sind die Fakten endlich draußen: Fugazi werden am 18. November ihr erstes Demotape aus dem Jahr 1988 wiederveröffentlichen - via Dischord kommt das gute Stück unter dem simplen Namen "First Demo" heraus, auf LP/CD/MP3 finden sich elf Stücke, unter anderem auch das wunderbare "Merchandise".

Sonntag, 26. Oktober 2014

Scott Walker vs. Sunn O))) Bildstörung

Eine der ungewöhnlichsten Kollaborationen dieses Jahres ist ja gerade erschienen - Scott Walker musiziert zusammen mit den Drone-Doom-Metallern von Sunn O))). Von den fünf Stücken, die das Album "Soused" enthält, ist der Eröffnungstrack "Brando" mit einem Video versehen worden. Gedreht hat Gisèle Vienne, die französisch-österreichische Künstlerin, die durch Marionettentheater, Balettinszenierungen und zahlreiche Performances und Installationen bekannt wurde, hat zuvor schon mehrmals eng mit Stephen O'Malley von Sunn o))) zusammengearbeitet


Freitag, 24. Oktober 2014

Son Little: Gar kein Kleiner

Son Little
"Things I Forgot"
(ANTI-)

Eine schöne Platte erreichte uns kürzlich aus dem Hause ANTI-, dort nämlich veröffentlicht Aaron Livingston unter seinem Moniker Son Little Anfang November eine erste eigene EP, nachdem er zuvor im Gastprogramm von The Roots ("Sleep") und zusammen mit RJD2 als Icebird Punkte sammeln durfte. "Things I Forgot" enthält sechs Stücke des jungen Mannes aus Los Angeles, die unterschiedlicher nicht sein könnten: "The River" kommt mit gehörig Drive und einer Mischung aus Americana Blues und Hip Hop daher, die schon länger bekannte Single "Your Love Will Blow Me Away When My Heart Aches" packt einen mit Gänsehautstimme, Soulchorus und feiner Wahwah-Gitarre. Bei "Cross My Heart" wählt Livingston dann trippige Drumloops für den Hintergrund, später gibt's noch die klassische Soulballade, psychedelische Beats und Reggae-Tunes als Rework vom Ex-Kollegen RJD2. Ein vielversprechendes Gesellenstück, das Lust auf mehr macht und Livingston alle Wege für den geplanten Longplayer offen hält. Ob B.B.King, Prince oder Curtis Mayfield, der Junge scheint auch weiterhin gut beraten, sich nicht festlegen zu lassen. "The music had roots, but wasn’t looking back" adelt da die New York Times und zu retroseliger Rückschau besteht auch gar kein Anlass für einen, der Althergebrachtes so gekonnt in's Jetzt zu übertragen versteht.

Son Little bei ANTI- und bei Soundcloud.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Empire Escape: Augen zu und durch

Dass man sich mit melodiösem Indierock, der noch dazu eine gesalzene Portion Drama kaum verstecken kann, nicht nur Freunde macht, war soweit klar - Lover, Hater, alle sind dabei und dazwischen bleibt nicht viel. Liest sich jedenfalls nicht nur rosarot, was die Jungs von Empire Escape in den letzten Monaten während ihrer Tour erlebt haben, selbst wenn man die Einzelheiten nicht kennt, gab es wohl auch manchen ernüchternden Moment in der noch jungen Karriere (und wenn man durchzählt, fehlt auch einer...). Dennoch, Bangemachen gilt nicht und so soll auf "Colours" bald das nächste Album folgen - zwischendrin gibt's weitere Konzerte und eine selbstbetitelte EP mit zwei neuen Songs (Houses And Homes/Don't Leave Us In The Dark) und dazugehörigen Mixen.

07.11.  Berlin, Michelberger Hotel
14.11.  Dortmund, Subrosa
15.11.  Karlsruhe, Kohi
21.11.  Hannover, Kulturpalast Linden
22.11.  Leipzig, Noch Besser Leben
27.11.  Hamburg, Astra Stube
29.11.  Chemnitz, Weltecho

Interpol vs. Factory Floor: Gegen die Konvention [Update]

Schon klar - so richtig schlecht oder misslungen war es nicht, das neue Album "El Pintor" von Interpol. Umgehauen hat es aber auch niemanden, ein Zwischenwerk mit ein paar guten Einfällen, viel Bekanntem und wenig Mut, so läßt es sich wohl kurz umschreiben. Wohin es geht, wenn man die üblichen Konventionen mal beiseite schiebt, beweisen die Jungs aus New York gerade mit dem Remix zu "My Desire" - den haben sie nämlich in die Hände des Londoner Tanzkollektivs Factory Floor gegeben. Was dabei herausgekommen ist, kann man sich hier anhören - bestimmt auch nicht jedermanns Sache, aber eben das: Mutig.

Update: Mutig Teil 2 - vom gleichen Song gibt es auch noch den Beyond The Wizard's Sleeve-Remix.

Arca: Kältemaschine

Arca
„Xen“

(Mute Records)

Musik, bei der einem ganz warm ums Herz wird, gibt es zur Genüge – solche jedoch, die dem Trend zur allgemeinen Verwohlbefindlichung nicht zu folgen bereit ist, muss man länger suchen, man gewinnt damit keinen Blumentopf, von ebenjenen Herzen ganz zu schweigen. Alejandro Ghersi alias Arca ist diesbezüglich das Musterbeispiel eines Totalverweigerers. Der gebürtige Venezuelaner, jetzt wohnhaft in London, hat sich diesen Ruf durch seine Zusammenarbeit mit FKA twigs und Kanye West für dessen Drone-Rap-Album “Yeezus” hart erarbeitet, nun kommt er mit seinem ersten eigenen Werk. Schon was “Xen” vorausging, ließ Tiefsttemperaturen erahnen – im Videoclip zum Track “Thiervery” darf man einem weiblichen Androiden beim Twerking zuschauen, auf dem Cover des Albums verzerrte Künstlichkeit, sexuell aufgeladen (und in der Importversion passenderweise auch noch verpixelt), metallen, fremd. Nicht anders der rein instrumentale Inhalt der Platte. Die Stücke, versehen mit Titeln wie “Sad Bitch”, “Failed”, “Family Violence” und “Wound”, sind in der Struktur eher skizzenhaft angelegt und von üblicher Liedhaftigkeit komplett befreit, kaltes, synthetisches Flackern und Klirren, nervöse Beats, wohin man hört. Selbst die technoiden Drumparts werden selten durchgängig eingespielt, besagtes “Thiervery” und “Bullet Chained” sind da eher die Ausnahme. Um ansatzweise zu verstehen, woher diese Kälte und vermeintliche Unnahbarkeit kommen, sollte man sich ein wenig in Ghersi’s verschlungene Biografie einlesen – das Magazin FADER hat erst kürzlich eine längere Coverstory zu Arca veröffentlicht, in welcher neben Hinweisen auf frühkindliche Erlebnisse, sexuelles Selbstverständnis und musikalische Einflüsse auch zu erfahren ist, dass der Mann das kommende Album von Björk als Produzent begleiten wird. Es sollte zum Schaden der eigenwilligen Isländerin nicht sein – denn für sie wie auch für Ghersi gilt: Nicht so einfach zu haben, letztendlich aber eine Bereicherung. http://www.arca1000000.com/

05.12.  Berlin, Berghain Kantine