Mittwoch, 30. Juli 2014

Jenny Lewis: A spoonfull of sugar

Jenny Lewis
„The Voyager“

(Warner Bros.)

Keine Angst, man darf schon auch mal zugeben, dass einem das Cover dieser Platte ausnehmend gut gefällt. Das bedeutet schließlich nicht, man wäre einfach gestrickt und könne sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Ganz im Gegenteil: Das Wesentliche ist bei Jenny Lewis nämlich das Vorhersehbare – die Frau hat schließlich zusammen mit Blake Sennett als Rilo Kiley mehrere Male den Indierock vom Sterbebett gezerrt und selbst schon zwei fabelhafte Soloalben hingelegt. Es war also nicht die Frage, ob „The Voyager“ eine gute Platte werden würde, sondern vielmehr womit. Und auch hier läßt sich schnell Antwort finden, denn die Songwriterin aus Las Vegas hat sich für die Produktion ihres dritten Longplayers nicht irgendwen, sondern Ryan Adams samt seines PaxAm-Studios ausgesucht, Gitarrenrock rules also, einmal mehr. Nicht so sehr der countrylastige der letzten Jahre, sondern eher die weitgefächerte Variante – ein bisschen Knopfler („She’s Not Me“), etwas New Order („The New You“) und jede Menge Fleetwood Mac – beim Großteil klingt es ohnehin so, als hätte Adams selbst in die Saiten gegriffen. Was ja beileibe nicht die schlechteste Alternative wäre …

Und auch wenn es stellenweise durchaus wieder um ernste Themen wie den Tod ihres Vaters, um die ewig wiederkehrenden Vergeblichkeiten und Enttäuschungen des Beziehungslebens geht – Jenny Lewis hat nichts von ihrem trockenen Humor verloren, schließlich ist sie nach wie vor, wie sie selbst sagt, eine große Anhängerin der Mary-Poppins-Methode – „A spoonfull of sugar helps the medicine go down“, zu hören und zu sehen im grandiosen „Just One Of The Guys“, entstanden in Zusammenarbeit mit Beck. Dort, wo Lewis schon den Rückspiegel für ihre Betrachtungen wählt, kommen noch Melancholie (das ‘coming of age‘ der frühen Tage in „Late Bloomer“) und trotzige Zuversicht hinzu, allen notorischen Schwarzsehern singt sie mit „Head Underwater“ („There’s a little bit of sand left in the hourglass, there's a little bit of fight left in the end“) und „The New You“ ins Gewissen. Erwähnen sollte man noch, dass auch die Geschwister Klara und Johanna Söderberg zu Gast sind – die schwedischen First Aid Kit, selbst große Verehrerinnen von Jenny Lewis, dürfen den Background des Titelsongs verschönern, und der ist, auch hier muss man sich nicht zurückhalten, einfach traumhaft geworden. http://www.jennylewis.com/

The Raveonettes: Bis auf's Messer

Da ist ja einiges geboten im Video zur aktuellen Single "Endless Sleeper" der Raveonettes: Der Song stammt vom neuen Album "Pe'ahi" - zu grobkörnigen, wild flackernden Schwarz-Weiß-Bildern gibt es einen packenden Messerkampf zweier nackter Strandschönheiten. Merke also: NSFW und gesundheitsgefährdend, was will man mehr...

Helene Fischer: Ansage!

Dank an das TAZ-Gezwitscher: Ein Bild, dass vielleicht nicht in jeden, ganz sicher aber in diesen Blog gehört (der nebenbei bemerkt heute auf den Tag sechs Jahre alt geworden ist) - und wer glaubt, einen Satz von dieser universellen Wirkmächtigkeit auf korrekte Kommasetzung hin untersuchen zu müssen, der kann gleich mitsterben!

Angus And Julia Stone: Eine Danksagung

Angus And Julia Stone
„Angus And Julia Stone“
(Universal)

Ein Debütalbum ist das vorliegende nun weiß Gott nicht, aber vielleicht darf man es eine Art Wiedergeburt nennen: Angus und Julia Stone, das australisches Geschwisterpaar, hatte sich eigentlich schon festgelegt. Getrennte Wege wollte man gehen, nachdem jeder der beiden in den vergangenen Jahren Geschmack am Solo gefunden hatte, für gemeinsames Musizieren fehlten Antrieb und Ideen. Doch just in dem Moment tauchte Rick Rubin, Produzenten-Legende mit dem Midas-Touch, auf und regte an, sich das doch noch einmal zu überlegen. Und weil sie, so höflich gefragt, dem Mann wohl schlecht absagen konnten, nahmen die zwei die Einladung nach Malibu an und die Arbeit an Album Nummer drei auf. 2013 war die Sache dann im Kasten, nun kommt das Werk in den Verkauf und bei aller Skepsis gegenüber dem omnipräsenten Rauschebart und ewigen Cash-Versteher – er hat mal wieder den richtigen Riecher gehabt. Denn was man zu hören bekommt, ist überaus geschmackssicheres, pointiertes und erstklassig arrangiertes Songwriting, Angus und Julia ergänzen sich in den größtenteils gemeinsam geschriebenen Songs ausgezeichnet. Rubin wird ja nicht zu Unrecht als Vereinfacher bewundert, der Mann ist bekannt dafür, Strukturen bloßzulegen, Stücken zu entrümpeln und ihnen so eine klare Linie zu verpassen. Nicht nur dem Entrance „A Heartbreak“, sondern auch dem lässigen „Grizzly Bear“ und vor allem der herzerwärmenden Countryrocknummer „Heart Beats Slow“ meint man Rubins hohe Kunst anzuhören. Mal mit ihrer fast kindlichen Stimme, mal mit seinem rauen, warmen Timbre erzeugen die Geschwister einen Wohlklang, der gefällt. Zur Mitte hin geht ihnen zwar etwas die Stringenz verloren, aber spätestens mit dem knapp sechsminütigen „Main Street“ haben sie einen wieder gefangen. Der behäbige, brüchige Balladenblues von „Crash And Burn“ bringt dann Gutes zu einem bestmöglichen Ende – hm, tja: Danke, Rick.

09.11.  Offenbach, Capitol
10.11.  Hamburg, Grosse Freiheit 36
12.11.  Berlin, Tempodrom
13.11.  München, Tonhalle
14.11.  Köln, Palladium

Damon Albarn: Ein Song für Luc und Lucy

Also: Scarlett Johansson ist ab Mitte August in deutschen Kinos unter dem Namen Lucy als eine Art 100-Millionen-Dollar-Babe mitsamt übersinnlichen Fähigkeiten und übermenschlichen Kräften (also kurz: Gott - ähh, Göttin) unterwegs, gedreht hat natürlich der Fachmann für solche Fälle Luc Besson. Soweit, so vorhersehbar.



Und weil für Superknaller dieser Art auch superknallige Soundtracks hermüssen, hat unter anderem Damon Albarn einen Song zum Soundtrack beigesteuert - das Stück heißt "Sister Rust" und wer will, kann sich das Ganze hier komplett anhören oder bei Soundcloud als gestreamten Ausschnitt.

She Keeps Bees: Nicht nachmachen!

Nein, mit Verlaub, das ist kein Video, das man seiner kleinen, ballettverrückten Tochter unbedingt zeigen sollte. Denn davon abgesehen, dass die Filmmutter (Tessa Auberjonois) mehr mit sich selbst und ihrem Telefon beschäftigt ist, tanzt ihre Göre während der Fahrt auf dem Dach des Autos herum - Grundgütiger! Jessica Larrabee und Andy LaPlant, zusammen unter dem Namen She Keeps Bees bekannt, werden Mitte September ihr nächstes Album "Eight Houses" veröffentlichen und aus diesem stammt der wunderbare Song "Is What It Is". Dass bei diesem im Hintergrund auch Sharon Van Etten mitsingt, macht ihn nur noch großartiger.

FKA Twigs: Vervollständigung

Und noch einen gibt's: Nachdem vor ein paar Tagen schon "Video Girl" im Netz erschien, platziert FKA Twigs mit "Pendulum" den nächsten Song von "LP1" inklusive befremdlicher Morphing-Bilder.


J Mascis feat. Cat Power: Sehr solo

Okay, Cat Power + Coldplay war schon etwas ungewöhnlich (wenn auch nicht so schlecht wie befürchtet), diese Paarung hier entspricht schon eher den Erwartungen: Chan Marshall hat sich mit J Mascis für den Song "Wide Awake" von dessen neuer Soloplatte "Tied To A Star" zusammengetan. Leider, so muss man sagen, ist von ihr kaum etwas zu hören und so bleibt's dabei: Wieder mal nichts falsch gemacht - aber eben auch nichts wirklich richtig.

Dienstag, 29. Juli 2014

TV On The Radio: Erstmals ohne

Die nächsten Wochen werden bekanntlich nicht gerade arm an vielversprechenden Neuerscheinungen sein, nun kommt noch eine weitere hinzu: TV On The Radio haben für den Herbst die Veröffentlichung ihres sechsten, regulären Albums bekanntgegeben - "Seeds", so der Titel, soll bei Harvest Records erscheinen und wird das erste sein, das komplett ohne den 2011 verstorbenen Bassisten Gerard Smith eingespielt wurde.

Optimal Records: Record Store Day

Support your local dealer - ein bisschen Lokalkolorit muss schon drin sein: Das oberste Münchner Feinkostgeschäft OPTIMAL, bekannt für seine ausgesuchte und delikate Vinyl-Frischwarentheke, feiert am kommenden Wochenende sein alljährliches Sommerfest. Los gehts am Donnerstag, den 31. Juli mit der Bildern von Florian Süssmayr aus der Ausstellung „Elvis, Genesis P-Orridge u.a.“, die zuvor schon im Kunstverein Augsburg zu sehen waren. Am Freitag präsentiert Jonathan Fischer vor Ort Songs aus seinem aktuellen Trikont-Sampler „PLEASE don’t FREEZE – Early Black Rock n Roll III“, begleitet von Sven Christ aka DJ Katmando an der Grillstation. Um das Ganze abzurunden, spielen am Samstag Roque, Poque und Lique Santa Cruz aka. Suzie Trio - und ganz nebenbei: An allen Tagen gibt es satte 20% Nachlass auf alle Tonträger. Hin da!

Karen O: Kaltes klares Wasser

Die Überschrift stimmt natürlich nur bedingt, denn über die Temperatur des Wassers, in welchem Karen O für das Video zu "Rapt" treibt, gibt es keine gesicherte Auskunft - klar ist nur: Der Song stammt von ihrem ersten Soloalbum "Crush Songs", das hierzulande am 5. September veröffentlicht wird (und über das an dieser Stelle schon berichtet wurde), Regie führte Barney Clay (Yeah Yeah Yeahs, Dirty Pretty Things, Dave Gahan u.a.) und es geht, wie man dem Text entnimmt, um Wesentliches: "Love is soft, love’s a fucking bitch. Do I really need another habit like you?"

Montag, 28. Juli 2014

Spies: Drama, Baby!

Uih, da packt aber jemand das ganz große Gefühl auf den Tisch: Die Spies sind ein Quintett aus der irischen Hauptstadt Dublin und wenn man sich ihre aktuelle Single "Moosehead/Yearner" anhört, dann weiß man, wie die Jungs Drama buchstabieren - nämlich in Versalien. Traumhafter Gitarrenpop, von dem man beizeiten gern mehr haben möchte, alles was bisher zu haben ist hier bei Bandcamp.

The Avener: In Nullkommanix

Man möchte ja kaum glauben, dass es ein so smarter Song wie dieser hierzulande noch nicht in die großen Funkhäuser geschafft hat: The Avener, französischer DJ und Musiker, hat bisher im Hintergrund für andere Künstler die Fäden gezogen, 2013 wagte er sich mit dem Housetrack "Fade Out Lines" aus der Deckung. Das Stück, das nun endlich auch hierzulande erscheint, stammt ursprünglich von Phoebe Killdeer And The Short Straws und klingt im Original wesentlich dunkler und unzugänglicher. Die Sängerin von Nouvelle Vague leiht nun auch der Neubearbeitung ihre Stimme und siehe da, plötzlich wippt und federt es sich ganz passabel durch den Tag. Jede Wette also, dass der Song in nullkommanix seine zweite Netzkarriere starten wird...

School Of Doodle: The real girlpower

Man möchte ja nicht nicht schon wieder den überstrapazierten Begriff des Girlpower in die Runde werfen, aber hier passt er mal wirklich: Einige der bekanntesten Role-Models des alternativen, amerikanischen Rockbusiness wie Yoko Ono, Kim Gordon, Cat Power, Courtney Love und Sia haben sich über die Crowdfundingplattform Kickstarter als virtuelle Lehrerinnen für das digitale Schulprojekt "School Of Doodle" anheuern lassen. Hier soll jungen Mädchen in Ergänzung zum normalen Schulalltag Selbstbewußtsein, Kreativität, Neugier, Mitgefühl, Mut etc. vermittelt werden, hier sollen lernen, sich selbst einzuschätzen und ihre Möglichkeiten und ihre Talente zu nutzen. Dabei geht es natürlich nicht nur um Musik, sondern auch um Literatur, Kunst und Politik, und so tauchen auf der Liste der namhaften Unterstützerinnen auch die Namen von Sarah Silverman, Marina Abramovic, Pussy Riot, Jenny Holzer und Arianna Huffington auf. Knapp 48.000 Dollar sind schon beisammen, ab 75.000 geht die Schule auf Sendung.

Azealia Banks: Schwermetall

Weiter im Programm: So richtig ruhig war es ja um Azealia Banks nicht geworden, das Mädchen trennte sich von ihrem Label Interscope unter arg lautem Getöse, nachdem sie entnervt angekündigt hatte, ihr neues Album "Broke With Expensive Taste" gegen alle Regularien selbst ins Netz zu stellen. Das Album also, auf welches die Welt nun schon seit sehr, sehr langer Zeit wartet. Via Twitter teilte sie dann auch noch mit, dass sie gern mit den New Yorker Wave-Rockern von Interpol auf der Bühne stehen würde, deren "Slow Hands" hatte Banks vor einigen Jahren ja ganz ordentlich gecovert ("All I need is to be a member of Interpol and my teenage dreams are complete!"). Ob das nachfolgende, neue Stück "Heavy Metal And Reflective" auf der neuen Platte zu finden sein wird - wer weiß ...

FKA Twigs: Knappe zwei Wochen

Mitte August soll sie ja nun kommen, die "LP1" von Tahlilah Barnett, besser bekannt als FKA Twigs - nun teilt sie noch einen Track und hat den Song "Video Girl" via Tecoapple.com und Soundcloud vernetzt.



Vor kurzem war die junge Dame übrigens auch auf dem Pitchfork-Festival zu Gast und ihre Performance war, das lassen die Mitschnitte bei Youtube vermuten, durchaus sehenswert.

Sonntag, 27. Juli 2014

Joe Goddard feat. Betsy: Verlängerung

Der Sommer ist schon zu Ende? Vergesst es! Denn zumindest Joe Goddard, Gründungsmitglied und zweite Stimme des Synth-Kollektivs Hot Chip hat etwas dagegen, nämlich seine EP "Endless Love". Diese erscheint via Greco-Roman Ende Juli und wenn der Rest so klingt wie der Titeltrack, dann kann es das mit den heißen Tagen definitiv noch nicht gewesen sein.

Samstag, 26. Juli 2014

Kate Nash: Nice to have

Immer ein guter Grund, den Play-Knopf zu drücken, denn man wird nur sehr selten enttäuscht: So auch dieses Mal - Kate Nash hat einen neuen Song zum freien Download ins Netz gestellt, "She Rules" klackert recht nervös aus den Boxen, ein Album dazu ist nicht in Sicht, da bleibt es vorerst beim letzten gelungenen Wurf "Girl Talk".

Industrial: Der Lärm der Avantgarde

Thematisch passt das wunderbar als Anschlusspost: Wie Pitchfork schreibt, wird es in nächster Zeit einen Film von Amélie Ravalec und Travis Collins über die Ursprünge und Entwicklungen der Industrial-Szene Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre geben - das Werk soll "Industrial Soundtrack For The Urban Decay" heißen und zu den Protagonisten gehören neben Throbbing Gristle und Test Dept. auch Bands wie Cabaret Voltaire, NON, SPK, Clock DVA, In The Nursery und The Klinik.



Neben dem Filmtrailer gibt es zur Promo auch einen einstündigen Mix, den Paul Jamrozy, Gründungsmitglied der Industrialpioniere Test Dept., verbastelt hat, neben den genannten Künstlern sind dort auch DAF, die Einstürzenden Neubauten und Laibach mit von der Partie.

Freitag, 25. Juli 2014

Wire: Restauration

Vor einiger Zeit schon vermeldete Quietus.com, dass Wire auf ihrem hauseigenen Label Pink Flag für Mitte Ausgust die Wiederveröffentlichung des legalen Live-Bootlegs mit dem Titel "Document And Eyewitness" planen. Die Doppel-CD enthält neben dem bekannten Konzertmitschnitt aus dem Londoner Electric Ballroom von 1980 auch noch Takes von Auftritten in der Notre Dame Hall (London, 1979) und in Montreux als Support von Roxy Music. Das nachfolgende Stück "Revealing Trade Secrets" stammt aus der Show von 1980, wenige Zeit später löste sich die Band erstmals auf, um später mit anderem Sound zu reüssieren.